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und würde, wenn ihn nicht ein tragiſches Geſchick ſeit langen Jahren in die Räume eines engliſchen Irrenhauſes feſſelte, ſicher zu einer der Zierden unſrer neueren poetiſchen und kritiſchen Lite⸗ ratur geworden ſein.—
So lange wir noch ſelbander in Karlsruhe lebten, war ich durch meine officielle Stellung in der Lage, gar manchem meiner näheren Freunde fortzuhelfen, die ſich jetzt ſchon vor dem zweifelloſen voll⸗ ſtändigen Zuſammenbruch über die damals Seitens der proviſoriſchen Regierung für alle nicht ausreichend dieſſeits Legitimirte ſcharf geſperrte Schweizer Grenze zurückziehen wollten. Ich ſchrieb ihnen einfache, auf ihren Namen mit kurzem Signalement lautende Paſſir⸗ ſcheine, worin ich Namens der Regierung alle militäriſchen und Civil⸗Grenzbehörden amtlich erſuchte, dem Inhaber den Uebertritt auf Schweizer Gebiet zu geſtatten, da derſelbe mit Ankauf von Waffen ꝛc. daſelbſt beauftragt ſei. Unterzeichnet mit amtlichem Stempel: Für das Ober⸗Commando der badiſchen Volkswehren. In Auftrag R. F., erſter Secretär. Karlsruhe, den ſo und ſo⸗ vielten 1849. Das half Allen ohne Anſtand glücklich über die Grenze, und gar Manche haben mir ſpäter für dieſen nach Lage der Sache wohl ſelbſtverſtändlichen Freundesdienſt herzlich gedankt. Es muß eben Einer dem Andern helfen.
Zur Charakteriſtik des Weiteren bezüglich unſrer amtlichen Thätigkeit in Karlsruhe und der darauf folgenden Ereigniſſe citire ich hier, als unter deren unmittelbarem Eindruck flüchtig hinge⸗ worfen, folgende Stellen aus einem vor mir liegenden damaligen Briefe an meine Schweſtern de dato Zürich, 17. Juli 1849.
„Wir hatten viel zu arbeiten, übten aber dabei beſtändig unſern Humor an dem bunten Durcheinandergewimmel von Phan⸗ taſie⸗Uniformen, abenteuerlich aufgeſtutzten und betitelten Induſtrie⸗ Rittern aus aller Herren Ländern, die wie die Pilze aus dem Pflaſter aufſchoſſen, lauter ächten Baſſermann'ſchen Geſtalten, welche ſich alle„um das Vaterland hoch verdient gemacht“ haben wollten. Zugleich ſchrieb ich Artikel für die Karlsruher Zeitung und redi⸗ girte Doll's Berichte an die proviſoriſche Regierung, ſowie Pro⸗ klamationen an die Civilkommiſſäre u. ſ. w. Nach dem Rücktritt Oppenheims wurde mir durch Hoff's und Doll's Vermittlung die Redaction der„Karlsruher Zeitung“, des officiellen Organs der pro⸗ viſoriſchen Regierung, unter ſehr günſtigen Bedingungen angeboten. Ich habe ſie aber aus principiellen Gründen abgelehnt, weil ich den amtlichen Lobhudler und Interpreten eines Brentano und ſeiner Conſorten nicht agiren mochte und Oppenheim ſchon wegen einer nur leiſen Kritik der Halbheit der proviſoriſchen Regierung entfernt worden war. Uebrigens herrſchte auf dem Kriegsminiſterium, wie überall, ein ganz heilloſer babyloniſcher Wirrwarr. Faſt Jedermann


