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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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* faſſungsfeindlichen, ob auch noch ſo legitimen(2) Monarchie von Gottes Gnaden begriffen waren, und daß eben die damalige revolutionäre Jugend am allerwenigſten loyaleTugend beſaß. Es war einfach ein muthwilliger Studentenſtreich, den die verführeriſche Situation geradezu provocirt hatte, und wie gut wäre es, wenn jene ſtürmiſchen Tage keine ſchlimmeren Streiche erlebt hätten! Auf dem Büreau unſres Volkswehr⸗Obercommando's verkehrten gar viele Leute jeden, zum Theil auch zweifelhaften Kalibers. Zu den intereſſanteſten Geſtalten darunter gehörten jedenfalls Carl Heinzen und der Phantaſie⸗Oberſt Rango von der Weſter⸗ burg. Heinzen, der patentirte Groß⸗Revolutionär mit Feder und Dinte, der neben ſeinen vielen unläugbar guten Eigenſchaften, vor Allem ſeiner patriotiſchen Ehrlichkeit, an coloſſaler Selbſtüber⸗ ſchätzung litt, hatte uns ein langes, ausführliches Expoſé einge⸗ reicht, worin er ſich zur Bildung einer hauptſächlich aus Schweizern und ſonſtigen radikal-⸗deutſchen Demokraten beſtehenden beſondren Freiſchärler⸗Legion, natürlich unter ſeinem möglichſt unabhängigen Commando, erbot, die, ſo viel ich mich erinnere, ſo eine Art moderner republikaniſcherLützower ſein ſollten. Zu einem Lützow ſchien er mir, obgleich ein vortrefflicher, logiſch ſcharfer politiſcher Pamphletſchreiber, denn doch auch nicht das geringſte Zeug zu haben.Eines ſchickt ſich nicht für Alle! Daß übrigens Heinzen damals wirklich militäriſche Abſichten hatte oder doch prätendirte, ging aus einer in mehreren badiſchen Blättern ſeinerſeits erſchienenen, etwas auffallenden und von gar mancher Seite ſarkaſtiſch gloſſirten Annonce hervor, wonach er irgendwo auf der Eiſenbahn unterwegs nach Karlsruhe ſeinen Säbel mit zwei Piſtolen habe liegen laſſen und dem Wiederbringer eine anſtändige Belohnung zuſicherte. Daraus konnte das Publikum ſchon zur Genüge entnehmen, daß er nicht nur mit der Feder, ſondern auch mit dem Schwerte kämpfen wollte. Leider! gab es damals gar viele frivole Spötter, welche das Ganze für eine reine Bramarbaſiade erklärten. Ich glaube das zwar nicht, aber ſpäter mußte ich dabei unwillkürlich oft an jenen myſteriöſen Säbel zurückdenken, welchen der ſelige A. Metz anno 1848 einem von Heidelberg durchreiſenden Republikaner abge⸗ nommen haben wollte, und deſſen Verbleib ſich gar nicht mehr ermitteln ließ. Ein Mann, wie Heinzen, kann und ſoll nur aus dem Dintenfaſſe B ſen. nicht aber mit einer Kanone oder auch nur einer Piſtole. Da er aber als unverbeſſerlicher, keiner Disciplin ſich fügender 9 unter Umſtänden derbgrober Starrkopf der herrſchenden Bren⸗ tano'ſchen Coterie entſchieden mißliebig war, ſo wurde ſein obiges Memoire ad acta verwieſen. Heinzen's Perſönlichkeit machte auf mich einen ganz andern Eindruck, als ich mir ſie vorgeſtellt hatte.