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bei mir, dem vielvermögenden erſten Secretär, der die Protokolle führte, oft vielfache Beſtechungsverſuche gemacht. Gar mancher ängſtliche Vater wollte mir, um die Befreiung ſeines theuren Söhn⸗ leins von dem lebensgefährlichen inſurrectionellen Kriegsdienſte par contrebande zu erwirken, eine Rolle Gold oder Silber in die Taſche gleiten laſſen. Aber ich wies auch das allergeringſte der⸗ artige Douceur ſtets mit Entrüſtung zurück und die alſo loszu⸗ kaufen Verſuchten konnten ſtets auf beſonders ſtrenge Viſitation gefaßt ſein.
Nach etwa 14tägigem Aufenthalt in Kehl wurde an J. Ph. Becker's Stelle, der in die Linie übertrat, F. Doll nach Carlsruhe zum Obercommando der geſammten badiſchen Volkswehr berufen. Wir Beide folgten ihm dahin in unſrer bisherigen Eigenſchaft und inſtallirten uns mit je 2 Gulden Diäten, womit wir Verköſtigung und Wohnung zu beſtreiten hatten, amtlich auf dem Kriegsminiſte⸗ rial⸗Büreau. Dort ging es ſehr lebhaft zu. Neben der umfang⸗ reichen Correſpondenz mit den verſchiednen untergebenen Behörden hatten wir die fortwährenden zahlreichen Deputationen einzelner, um gewiſſe Befreiungen petitionirender Gemeinden zu empfangen und zu beſcheiden, zugleich die Hemden⸗, Uniform⸗, Stiefel⸗ und Schuh⸗ ꝛc. Lieferungen für die Volkswehr zu controliren und als Zahlungs⸗ anweiſung zu quittiren. Letzteres war der vielen, zum Theil recht hübſchen Carlsruher Griſetten halber, deren Blouſen und Hemden nachzuzählen und zu prüfen waren, für einen ſo jungen Tauſend⸗ ſappermenter, wie Hillebrand, ein gar verführeriſches Departement, weßhalb ich es ihm, ohne übrigens auf meine gelegentliche Mit⸗ wirkung zu verzichten, gerne überließ. In den erſten Tagen erſchien auch unſer Gießener Univerſitätsfreund Juſtus Wüſt aus Darm⸗ ſtadt auf dem Büreau, welcher, der väterlichen Aufſicht entwichen, mit dem Hülferuf zu mir trat:„R., ſchaffe mir eine Stelle!“ (Den„Kuhfuß“ als gemeiner Freiſchärler ſchien er aus Bequemlich⸗ keit nicht tragen zu wollen.) Da er ein intelligenter gewandter Burſche war und es uns an zuverläſſigen Arbeitkräften fehlte, ſo placirte ich ihn als Secretär auf einem unſrer Büreau's und hatte dies auch nicht zu bereuen.(Näheres über unſere gemeinſame Thätigkeit ſpäter.)
Eine meiner intereſſanteſten Amtshandlungen in der badiſchen Reſidenz war die im Geleite einer Compagnie Volkswehr auf Be⸗ fehl des Kriegsminiſteriums im großherzoglichen Schloſſe vorge⸗ nommene Viſitation nach brauchbaren Schußwaffen. Unſre Aus⸗ beute war ſehr gering, dagegen war die unter der widerwilligen Führung des Caſtellan's mit großer Neugierde vorgenommene Be⸗ ſichtigung der einzelnen fürſtlichen und ſonſtigen Appartements von beſondrem Intereſſe für uns Inſurgenten aus der„bürgerlichen


