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daher auch bei ihnen alle„Wiedereroberungs“ Verſuche klüglich auf. Von da an datirt denn auch hauptſächlich meine oft ſehr unvor⸗ ſichtig ausgeſprochene, hier vielfach entſchieden mißbilligte Antipathie gegen die ohne alle und jede Befragung der Bevölkerung ſtattge⸗ fundene„Einverleibung“ der ſogenannten„Reichslande“ Elſaß⸗ Lothringen. Als Student war ich politiſcher Romantiker und habe
als ſolcher— im Gegenſatz zu dem„geſunden Volks⸗Egoismus“ Wilh. Jordan's vom Frankfurter Parlament— auf der Tribüne
der Friedberger Seewieſe für Abtretung Deutſch⸗Polens declamirt. (Die Schläge, die mir dafür von den oberheſſiſchen„Nationalen“ wegen„Vaterlandsverrath“ zugedacht waren, erhielt, wie ſchon erzählt, glücklicher Weiſe ein Anderer!) Als Mann aber bin ich von der durch Louis Napoleon ſo perfid ausgebeuteten„Natio⸗ nalitäts“⸗Idee einigermaßen zurückgekommen.
Der von F. Hecker während ſeines Schweizer Aufenthalts in Baſel herausgegebene republikaniſche„Volksfreund“ wurde mit der Zuſicherung ſeiner Unterſtützung von Nordamerika aus durch F. Doll, Th. Mögling und mich in Straßburg fortgeſetzt. Ich ſelbſt ließ durch unſern Redactions⸗Secretär, einen anno 48 compro⸗ mittirten Naſſauer Studenten der Medicin, folgendes von mir unterzeichnete Cirkulär dieſerhalb an meine Freunde und Geſinnungs⸗ genoſſen in Heſſen expediren.
„Wir überſenden Ihnen hiermit einige Exemplare des von nun an unter der mittelbaren Leitung F. Hecker's und der un⸗ mittelbaren ſeiner Freunde und Kampfgenoſſen F. Doll und Th. Mögling forterſcheinenden„Volksfreundes“ mit der Bitte um deren gefällige Weiterverbreitung, reſp. Einladung zum Abonnement. Die Tendenz des Blattes, für deren entſchieden demokratiſchen Charakter Ihnen ſchon der gefeierte Name des intellectuellen Redac⸗ teurs genügende Bürgſchaft gibt, wird Ihnen wahrſcheinlich bereits von früher her, wenn nicht aus eigner Anſchauung, ſo doch durch
die fortgeſetzten heftigen Angriffe der monarchiſchen Preſſe bekannt ſein, und daß dieſelbe auch nach ſeiner, im Einverſtändniſſe mit Hecker ſelbſt geſchehenen Verlegung nach Straßburg völlig unverändert geblieben iſt, können Sie aus dem Inhalte der anliegenden Nummern entnehmen. Zu ſeiner Empfehlung fügen wir hier nur noch hinzu, daß Hecker, wie ſchon in ſeinem letzten „Wort an das deutſche Volk“ angedeutet iſt, von Amerika aus
gemeinſamen Wohnung Morgens plötllich eine Fuhre kleingemachtes Holz abge⸗ laden wurde und der Ueberbringer weder ein Trinkgeld—„Wenig, aber von Herzen!“— annahm, noch uns den Namen des Abſenders nannte. Es war, wie wir ſpäter ermittelten, der obengenannte Herr Schützenberger. Wir haben uns damals an den mit ſo anonymem und obendrein Gratis⸗Brennmaterial geheizten Oefen behaglich erwärmt.


