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ſehern, von denen ſich jeder Einzelne, als beſonders ſtaatsgefährlich, mindeſtens durch ein eignes Vierteldutzend„Spione“ ſeiner heimath⸗ lichen Regierung„überwacht“ glaubte, halfen alle Betheuerungen meiner Unſchuld und Berufungen auf meine notoriſche Vergangen⸗ heit Nichts, bis es mir endlich gelang, nicht nur mein Alibi ganz unzweifelhaft zu beweiſen, ſondern auch durch perſönliches Erſcheinen des liebenswürdigen Malers die ſehr nahe liegende Wahrſcheinlich⸗ keit einer Verwechslung ad oculos zu demonſtriren. Daß ich für ein„Reptil“ gehalten werden könnte, hätte ich mir wahrlich nie⸗ mals träumen laſſen, ob auch die Reptilien damals anders hießen. Je nun,„die Unſchuld muß viel leiden!“—
In einer andern mir befreundeten deutſchen Familie legte ich — in einigem Gegenſatze zu meinem jetzigen, von der Redaction der„Neuen Heſſiſchen Volksblätter“ nicht getheilten Standpunkte in dieſer Frage— als akademiſcher„Teutone“ eine von uns in Gießen gezeichnete Karte des 1848 erträumten„deutſchen Reiches“ vor, worauf auch Elſaß⸗Lothringen, als altes, uns ſeiner Zeit von Ludwig XIV.„geſtohlenes“ deutſches Land, ſchwarzrothgold ſtatt blauweißroth umpinſelt war. Die lieben Leute, die zwar deutſch ſprachen und dachten, aber politiſch ganz franzöſiſch fühlten, lachten mir ob dieſer geographiſchen Phantaſie⸗Malerei einfach ins Geſicht. „Sie ſind ein rechter„deutſcher“ Träumer und Narr“, ſo antwortete mir Einer,„wenn Sie glauben, wir Elſäßer, die wir mit Frank⸗ reich die glorreichen drei Revolutionen von 1789, 1830 und 1848 durchgemacht und ihnen, ohne die auch Ihr da drüben noch im feudalen Mittelalter ſtäcket, alle modernen Rechts⸗Errungenſchaften zu verdanken haben— wir hätten Luſt, eurem Deutſchland mit ſo und ſoviel Potentaten, Zoll⸗, Zunft⸗ und Polizei⸗Schranken wieder zuzufallen. Ihr Deutſchen ſeid freilich die ſchreibenden „Denker“, wir Franzoſen aber ſind die handelnden„Macher“. Bei uns exiſtirt„Freiheit und Gleichheit“ in gewiſſem Sinne, bei euch in keinem! Und wenn mir's z. B. heute einfällt“,— die Aeußerung iſt nach meiner ziemlich genauen Erinnerung faſt wort⸗ getreu und war damals nur zu berechtigt—„kann ich mit meinem ganzen Geſchäft morgen nach Marſeille überſiedeln ohne alle Po⸗ lizeiplackerei eurer höheren und niederen Schreibergeſellen!“ Von dieſer, wie ich bekennen mußte, thatſächlich nicht unmotivirten fran⸗ zöſiſchen„Verranntheit“ waren die mir näher bekannten braven Straßburger Deutſchen, die übrigens ihre Stammesverwandtſchaft uns Flüchtlingen gegenüber durch offnes Haus und offne Börſen niemals verläugneten*), nun einmal nicht abzubringen. Ich gab
*) So denke ich heute noch an unſre freudige Ueberraſchung, als bei herannahendem Winter und, wie gewohnt, knapper Caſſe in Doll's und meiner


