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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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des nordamerikaniſchen Seceſſionskrieges als höherer Officier auf Seiten der Unioniſten gefallen, Beck aus Darmſtadt, ſpäter meines Wiſſens nach den United Staates, von wo ihn die Revolution herübergerufen, wieder zurückgewandert, die beiden in der preußiſchen Steuerverweigerungs⸗Bewegung compromittirten Hallenſer Studenten Kaulfuß, einen geiſtvollen Kameraden, ſeitdem für mich verſchollen, und Ehrlich, zur Zeit Profeſſor in Mancheſter, von wo er mir eine in großdeutſch⸗demokratiſchem Sinn von ihm trefflich geſchriebene politiſche Broſchüre vor etwa 6 Jahren zuſchickte, Dr. Theobald Kerner aus Weinsberg, den ebenſalls poetiſch begabten Sohn des Dichters Juſtinus Kerner von derWeibertreue, der damals mit ſeiner erſten Frau dort lebte.(Auch die mir von vornherein antipathiſchenMörder Auerwald's und Lichnowskys hielten ſich Anfangs dort auf, darunter der ſelbſtgefällig deklamatoriſche, übrigens ehrliche Fanatiker Saul Buchsweiler, ein früherer jüdiſcher Lehrer, der in widrigſter Weiſe jenen beklagenswerthen Exceß der ſoge⸗ nanntenVolksjuſtiz als patriotiſche Heldenthat pries, aber auch ſeine ſ. g.guten Seiten hatte und von uns gar oft als komiſche Perſon benutzt wurde)*). Ich ſchloß mich natürlich zunächſt an meine heſſiſchen Landsleute an, ſchon um ſie für die erſten Tage auf Grund ihrer Kenntniß meines Namens und meiner Verhält⸗ niſſe, ſoweit es ihre eigenen deſolaten Finanzen erlaubten,anzu⸗ pumpen.(Später, nachdem meineSilberflotte von der Frau Mutter eingelaufen war, haben ſie Das redlichſt wettgemacht.)

*) In ſeinem Namen erhielt ich einſt von meinem damaligen humor⸗ vollen Exilgenoſſen, dem Studenten der Medicin Kaulfuß aus Halle, folgenden launigen Brief, wozu der fingirte Schreiber eine ſehr zweifelhafte Fratze ſchnitt. Freund! Bruder! Bürger F.! Du kennſt mich! Du weißt, was ich gethan, was ich gelitten! Deutſchland ſchläft, aber ich wache und Du und Bürger Doll auch! Ich habe für die Freiheit ſchon Jahrelang tief innen geblutet, mein Herz iſt krank, aber es beugt ſich nicht! Germania's nicht unedelſter Sohn bin ich. Ich werde es noch flammend zeigen. Meine Börſe iſt erſchöpft, aber ſie wird, ſie muß ſich wieder füllen Bürger F. lebt ja! Sei ſo gut, lieber Walhalla⸗ jüngling, und ſchicke mir ſogleich 50 Francs Germania wird es Dir danken! O die arme blutende Mutter Germania! Das Geld brauche ich zu höheren Zwecken frage mich nicht weiter! Du kennſt mich und Europa auch. Meinen Namen brauche ich Dir nicht zu nennen, Bürger. Man wird erſt ſpäter einſehen, wer ich war! Lebe wohl, Bruder! Freund! Schicke von Deinem Ueberfluß!

Straßburg, den 3. April 1849.

OSaul, Saul! rief ich bei dieſer gelungenen Parodie lachend,warum verfolgſt Du mich? Später tauchte beſagter Buchsweiler wieder während des badiſchen Reichsverfaſſungs⸗Aufſtandes von 1849 bei uns in Carlsruhe auf. Wir gaben ihm irgend eine nicht gerade ſehr wichtige agitatoriſche und Er⸗ kundigungs⸗Miſſion nach auswärts, bloß um den ganz unermüdlichen Schwätzer und Declamator, derein guter Kerl, aber ſchlechter Muſikant war, uns raſch⸗ möglichſt vom Halſe zu ſchaffen.