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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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Verlauf der Wiener October⸗Revolution mit etwas zweifelhaftem Nachruf verduftete Agitator Schütte, der ſ. Zt. auf den Kopf von Windiſchgrätz einen Preis ausſetzte, übrigens ein höchſt gewandter Redner. Mir ſelbſtbrummte der Kopf zu ſehr, um die impro⸗ viſirte Tribüne zu beſteigen. Auch weiß ich noch recht gut, daß mitten in unſern Verhandlungen H. Gagern, damals Präſident der Frankfurter Nationalverſammlung, mit nahezu majeſtätiſch im⸗ poſanter Haltung und Geberde durch die Verſammlung hindurch ſchritt, von ihr aber gänzlich unbeachtet gelaſſen wurde. Hinterdrein brachten die monarchiſtiſchen Blätter über deren tumultuariſchen Verlauf himmelſchreiende, namentlich die verhaßten Rheinheſſen herunterreißende Berichte, wie ich deren auch einen höchſt erboſten in der Oberpoſtamtszeitung finde. Daß die hier beſchloſſene De⸗ putation an den Großherzog ohne alles Reſultat blieb, wir alſo abermalsviel Geſchrei und wenig Wolle hatten, iſt bekannt.

Die heiterſte Wühler-⸗Reiſe, die wir ſelbander machten, war die in das Hinterland, die Heimath A. Becker's, wo wir in Bieden⸗ kopf auf einer benachbarten großen Wieſe unſre Volksverſammlung abhielten. Die dortige Bevölkerung war überwiegend demokratiſch und fanden unſre Reden allgemeinſten Beifall. Namentlich handelte es ſich, meines Erinnerns, zunächſt um die Einberufung der conſtituirenden Landesverſammlung. Der aus den vormärzlichen Zeiten nur zu bekannte, von mir ebenfalls imZuſchauer be⸗ leuchtete Kreisrath App mit ſeiner ganzen disponiblen Gensd'ar⸗ merie war am Platze. Die letztere konnte aber nicht einſchreiten, da damals nochüber Thema geredet werden durfte. Die große Tribüne, auf der ſich eine unverhältnißmäßige Menſchenzahl be⸗ wegte, war gar flüchtig zuſammengezimmert und ſo paſſirte denn das komiſche Intermezzo, daß mitten in einer fulminantenPauke A. Becker's, der Angeſichts ſeiner Hinterländer Heimathsgenoſſen beſonders feurig perorirte, der Boden unter uns zuſammenbrach und wir alleſammt zur Erde hinabſtürzten. Allgemeine dumpfe Pauſe. Die Situation war kritiſch, d. h. ſie drohte durch ihre Lächerlichkeit unſre ganzen redneriſchen Effecte zu vernichten. Becker ſchwang ſich zuerſt auf einen Querbalken empor und rief mit ſeiner dröhnenden Baßſtimme:Bürger, ſowie dieſe Tribüne eben zu⸗ ſammengerumpelt iſt, ſo möge die ganze deutſche Monarchie zu Gunſten der vollen Volksſouveränetät zuſammenrumpeln! Es lebe die Republik! Bravo! hieß es unter nicht enden wollendem ſtür⸗ miſchem Applaus.Die Republik und Auguſt Becker hoch! So hatten wir mit einem Schlage die Stimmung wieder erobert, als ob gar keine Unterbrechung ſtaitgefunden hätte. Im Uebrigen erinnere ich mich noch mit beſondrem Vergnügen an unſre Abend⸗ unterhaltungen nach erledigtem Agitations⸗[Geſchäfte. In Bieden⸗