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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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Zuchthausſtrafe verurtheilt werden. Der Miniſter vom Herbſt 48 ließ mich verfolgen für die Durchführung der Grundſätze des ehemaligen Staatsraths und Demokraten Jaup vom Frühjahr 48! In dieſem Widerſpruche liegt eine Moral, die ich Ihnen ans Herz legen will, m. H., denn ſie enthält, richtig verſtanden, das Urtheil über meine Schuld oder Nichtſchuld in dieſer ganzen Kette von Anklagen.

Was half mich das ſpäter Alles?Ja, Bauer, das iſt ganz was Anders! riefen die Junker Alexander zum ſo und ſo vielten Male. Die meiſten Demokraten von ehedem waren unter die Miniſter gegangen und ſo ein phantaſtiſcher Student, wie Unſer⸗ einer, der die Dinge pathetiſch ernſt nahm und nach ſeinem Col- legium logicum die regelrechten Conſequenzen daraus ziehen wollte, mußte hinterdrein hinter Schloß und Riegeldran glauben. Es it ja ſo der Lauf der Welt! ſingt Uhland in einem ſeiner Volks⸗ ieder.

organiſirten, verſtand ſich von ſelbſt. Ihr Ausſchuß mit dem eigen⸗ thümlichen TitelGeneralrath beſtand aus lauter Notablen der Bürger⸗ und Beamtenſchaft und hielt regelmäßige feierliche Sitzungen im Rathhausſaale. Ich ſelbſt war Mitglied als gewählter einziger Vertreter der in ihrer Majorität betheiligten Gießener Studenten⸗ ſchaft und hatte u. A. den kürzlich verſtorbenen Hofgerichtspräſi⸗ denten Kraft, mit dem ich auf ſehr gutem Fuße ſtand, zum Col⸗

legen. Zum Oberſten wählten wir Profeſſor C. V., der ſich ſeiner arct

wichtigen Funktionen mit großem militäriſchem Schick zu entledigen wußte, übrigens einmal auf einer Parade, wo er als ächter Sonn⸗ tagsreiter auf einer wahren Roſinante an uns vorüberſprengte, eine

unvergeßlich komiſche Figur machte. Wir waren in Rotten einge⸗

theilt und ich ſelbſt exercirte trotz meiner Eigenſchaft alsGeneral⸗ rath Anfangs fleißig mit, meiſt auf demBrand, vor dem aka⸗ demiſchenDiscipel. Unſre Rotte beſtand aus lauter ſtudentiſchen Republikanern und hieß wegen ihrer Unbotmäßigkeit und muth⸗ willigen Streiche dieRotte Korah. Würdiger Rottenführer dieſer Schwefelbande war Louis Büchner, der mit uns ſeine ſchwere Noth hatte, übrigens auch den Dilettanten faſt bei jeder Gelegenheit verrieth.

Einen höchſt ergötzlichen Conflict hatten wir von derRotte Korah einſtmals mit unſerm Höchſtcommandirenden, Oberſt V. Als eines ſchönen Morgens einige Mitglieder unſres republikaniſchen Vereins, darunter die beiden Brüder Büchner und ich, ſelbander Pflaſter ſtiegen, ſahen wir zu unſerm höchſten Erſtaunen eine durch

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