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einer Schuldenlaſt von über 20,600 Gulden beſtrickt und hat wenig oder gar kein Vermögen. In Folge davon müſſen jährlich 1700 bis 1800 Gulden Communalſteuern auf das wenige Grundeigen⸗ thum der armen Bauern ausgeſchlagen werden, was für das All⸗ gemeine, da der größte Theil der Ortsbürger aus Tagelöhnern
beſteht, unbeſchreiblich drückend iſt. Selbſt gibt es Jahre, und die⸗ ſelben haben wir ſeither öfter gehabt, daß wir Kopfgeld à 3 Gulden geben müſſen, um die bedeutenden Ausgaben der erſten Claſſe be⸗ ſtreiten zu können, indem bei der früheren Claſſificirung der alte Ortsvorſtand mehrentheils, ohne zu wiſſen, welchen Nachtheil dies bringen würde, alle Schulden in die erſte Claſſe hat ſtellen laſſen, wo⸗ durch der Fürſt von Solms⸗Braunfels, der in hieſiger Gemarkung mit ohngefähr 800 Morgen, und der Herr von Bellersheim, der mit über 100 Morgen begütert iſt, Nichts oder ſehr wenig zu den Communallaſten beizutragen haben.— Dann ſind wir auch ge⸗ ſonnen, uns an die Stände zu wenden wegen der bedeutenden Kriegskoſten⸗Entſchädigung, welche ſeiner Zeit den gnädigen Herren von dem Kaiſer Napoleon durch Aufhebung des Kloſters Arnsburg und deſſen Ueberweiſung als ihr Beſitzthum für die Gemeinden gegeben worden iſt. Das haben die Fürſten und Grafen für ſich übernommen und unſre Gemeinden haben doch allein die Kriegs⸗ Laſten, welche durch Brandſchatzung, Fahrten, Verpflegung, Armee⸗ lieferungen u. ſ. w. entſtanden, tragen müſſen. Die daraus er⸗ wachſenen Schulden haben die Herren den Bauern bis zum Todtſchwitzen für Kindeskinder überlaſſen, die Entſchädigung aber für ſich behalten. Wir Alle in den ſtandesherrlichen armen Län⸗ dern verlangen daher, daß die Fürſten für die von ihnen als Ent⸗ ſchädigung in Beſitz genommenen Arnsburger Güter, Waldungen u. ſ. w. auch unſre Gemeindeſchulden bezabhlen oder die ſeither davon bezogenen Revenüen herausgeben.(Welche ländlich⸗ ſittliche Logik! d. V.) Oder es ſollen die Waldungen und Güter von dem Staat in Anſpruch genommen und als Staatsdomänen für das ganze Land zum allgemeinen Nutzen verwendet werden. Nicht genug, daß der Fürſt von den Pächtern, welche dieſe Güter in ihren Familien ſeit 2— 300 Jahren gebabt, alle 9 Jahre mehr Pacht verlangt, was ſie auch gerne noch geben, um ſich ſo zu nähren. Jetzt hat derſelbe ſeit 4—5 Jahren ein königliches Schloß dem Pachter gebaut, die beſten Grundſtücke den kleinen Bauern⸗ Pachtern, welche 16 Hufen hatten, abgenommen und ſeinem Herrn Pachter gegeben, der vom Morgen bei freier Wohnung ꝛc. nur 5 Gulden zu zahlen hat, während für kleine und geringe Grund⸗ ſtücke 5 fl. 30 kr. per Morgen gegeben werden müſſen. Nun fragt ſich's: müſſen wir uns alles Das ſo länger gefallen laſſen? Welchen Druck haben wir, ſeit wir unſerm Großherzogthum einverleibt ſind,


