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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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der Provinz Oberheſſen Bittſchriften an die Herren Abgeordneten nach Darmſtadt abgeſchickt werden, ſo wol llen auch wir unterzeich neten Ortsbürger der Gemeinde Crumbach I Ihnen und dem erwählten Abgeordneten unſres Bezirks hiermit unſre Wünſche und Beſchwerden vortragen. Wir hoffen mit aller Zuverſicht, daß Sir uns arme Bauern nicht im Stiche laſſen, ſondern pflicht gemäß Alles, was in Ihren Kräften ſteht, entweder in der Kammer oder 39 dem Herrn Miniſter Gagern ſelbſt aufbieten werden, damit den vielen Uebel⸗ ſtänden in unſrer Gemeinde endlich einmal ordentlich abgeholfen wird.

Wir wün ſchent

1)Daß die Verwaltung der Gemeinde durch die Ortsvor⸗ ſtände und der Vürgermeiſter von der bisherigen, die Naſe in jeden Topf ſteckenden drückenden Obervormundſchaft der Kreisräthe be⸗ freit und das Amt des Gemeinderechners, Ortsdieners und Feld⸗ ſchützen durch frei aus der Gemeinde gewählte Leute vermaltet werde.

2)Daß die Feldſtrafen wieder, wie früher, in die Gemeinde⸗ kaſſe fließen..

3)Daß das Forſtſchützen⸗Amt wieder, wie früher, einem aus der Gemeinde erwählten Manne je auf etliche Jahre über⸗ tragen werde, der bloß unſre Gemarkung zu beſchützen hat.

4)Daß die Gebäude in der Gemeinde, wie frül her, ohne Riß und Plan des Bauauſſehers und Ge nehmigung des Kreisraths errichtet werden dürfen und daß die Beſorgung des Wegebaues der Gemeinde ſelbſt überlaſſen werde, ohne Bauauſſeher und Kreisraths Befehl, indem durch dieſe Wirthſchaft der Gemeinde ſchon manche Kapital⸗ Schuld verurſacht worden iſt.

5)Daß die Dächer der alten Gebäude mit Stroß gedeckt und dieſelben ſo gemacht werden dürfen, wie es der Bauersmann kann. Denn der Kreisrath in Gießen hat veßhalt ſchon manchen Mann geſtraft, daß es eine Schande war, ohne die Sache vorher genau zu unterſuchen und ohne daß die rechtmäßigen Klagen nach⸗ her angehürt wurden.

6)Daß das Streulaub des Waldes, wie früher, unter die Gemeinde vertheilt werde.(Damals de ziemlich die einſtimmige Forderung aller heſſiſchen Gemeinden, d. L.)

7)Daß das Faſſelvieh der Hemeinde wieder, wie vormals, von den vermögenden Dutsbüegern auf der Reihe herum gefüttert werde, ohne einen Profeſſor darüber zu ſetzen, der große Diäten nimmt, und ohne Kreisraths Befe hll.

8)Daß die Verbeſſerung unſerer Wieſen ohne Kreis raths Befehl der Gemeinde ſelbſt überlaſſen werde.

9)Daß wir für den Schaben, den uns ſeit vielen Jahren die Jagdbeſtänder durch das Hegen des Wildes zugefügt haben,

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