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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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unſrer Verhältniſſe gegeben hat. Wir flehen Sie darum auch an, uns verlaſſenen Brüdern mit Ihrem Eifer ferner fort beizuſtehen und uns in Schutz zu nehmen mit Ihren uns noch fehlenden Kenntniſſen, welche uns als bloßen Bauern und unerfahrenen Unterthanen immerdar ein Leitfaden ſein ſollen! Wir bitten Sie daher, ſich bei unſrer Ober⸗Monarchie(der Schreiber war ſtandes⸗ herrlicher Unterthan, d. V.) dafür zu verwenden, daß für die großen und harten Strafen, die bisher bei uns ausgeübt worden ſind, eine Minderung geſchafft wird. Unſer Antrag wäre, daß jedes Jahr neue Feld⸗ und Ortspolizei ernannt werden kann, und dann möchten wir Sie in unſerm Namen auffordern, daß wir be⸗ ſonders aus den Solmſiſchen Herrſchaften austreten müſſen. Nur einem gerechten und treuen Landesvater wollen wir Schutz und Gerechtigkeit willfahren laſſen(! Ipsissima verba) und alles Uebrige (die ſtandesherrlichen Laſten) geht uns weiter Nichts an. Mit innerlicher Gewißheit und aufgepflanztem Gewehr(0) treten wir Ihnen zu Dienſten und wird all unſer Blut für Sie igese werden. Bedürfen Sie Unſereiner mit Perſon oder ſonſt im Ge⸗ ringſten, ſo wird Ihnen jederzeit Alles zu Dienſten ſtehen. Wir tragen Ihnen noch nach, daß wir eine Hülfe haben möchten, wodurch wir dem Solmſiſchen Joche entbunden, ſolches uns endlich abgenommen und wir nur einen Landesvater haben möchten. Wenn uns dieſer unſer Landesvater behandelt, wie recht, ſo werden wir auch als gerechte Unterthanen erſcheinen. Iſt dieſes der Fall nicht, ſo werden wir abtrünnig, wie eben Frankreich, und laſſen Sie uns wiſſen, auf welche ſchnellſte Weiſe wir den Namen Solmſer verlieren können! Unſre allſeitige Hülfe wird Ihnen mit Geiſt und Wahrheit zur Seite ſtehen. Das iſt ein für ſich ſelbſt redender Schmerzensſchrei aus unſern oberheſſiſchen ſtandesherrlichen Be⸗ zirken. Und ich habe deren noch einen ganzen Stoß in meiſt ſehr ungelenken Handſchriften vor mir liegen. Faſt alle beginnen mit der lakoniſchen Anrede:An den Herrn Studenten F. in Gießen und gehen ſofort als Reſultat zuvor ſtattgefundener Gemeinde⸗ verſammlungen sub 1, 2, 3 ꝛc. ad rem. Eine der intereſſanteren iſt die der Gemeinde Crumbach, aus der ich die Haupſtellen an⸗ führe:

An den Herrn Oberappellationsgerichts⸗Rath Krug, Ab⸗ geordneten der zweiten Kammer in Darmſtadt. Hochzuverehrender Herr! Da wir erfahren, daß in dieſen Tagen wegen der Revo⸗ lution in Paris, wo die Leute ihren ſchlechten König und ſeine ſpitzbübiſchen Miniſter zum Land hinausgejagt und eine freie Re⸗ publik errichtet haben, auch unter den deutſchen Unterthanen, die ihr bisheriges Joch los ſein möchten, eine allgemeine Unruhe ent⸗ ſtanden iſt und deßhalb auch aus vielen Städten und Ortſchaften