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Welches Hurrah ertönte, als ſie mich ſo gemüthlich zwiſchen meinen beiden Freunden von der Gensd'armerie zurückfahren ſahen, läßt ſich denken. So traf ich denn mit zahlreichem Cortoge, ich ſelbſt natürlich an der Spitze des Zugs, in meiner Heimath ein und der Jubel der raſch zuſammengeſtrömten Bevölkerung, als ſie mich erblickte, war ſo allgemein und laut, daß, wie ich mich noch recht gut erinnere, ein kleiner Junge athemlos heimgeſtürzt kam mit dem Rufe:„Vater, geh' hinaus, der Großherzog kommt!“ Ich habe darüber ſpäter oft genug gelacht. In dem Gaſthauſe zur Poſt, wo wir abſtiegen, entwickelte ſich raſch eine allgemeine Feſtkneiperei mit obligaten Toaſten auf mich, die Verfaſſung und das freie Wahlrecht und halblauten Flüchen auf die Bürcaukratie, deren höchſt ſchmerzloſes Opfer ich geworden war. Nachdem ich meine beiden Escorte⸗Gensd'armen unter warmer Belobung ihres anſtändig freundlichen Benehmens gegen mich der Verſammlung vorgeſtellt, wurden die guten Leute von allen Seiten mit Bier und Wein überſchüttet. Ja, gar viele Metzger liefen nach Hauſe und ſtopf⸗ ten ihnen die Rock⸗ und Seitentaſchen für die Heimfahrt nach L. dermaßen mit Wurſt und Schinken voll, daß ſie ſich zuletzt gar nicht mehr zu helfen wußten und in der Noth Packete machten. Als ich mich von ihnen verabſchiedete, erklärte mir der Eine unter gerührtem Händeſchütteln:„Herr F., das iſt der ſchönſte Tag meines Lebens!“ Meine alte Mutter freilich, als ich nach Hauſe kam, ſeufzte trotz alledem:„Was hilft mich alles Das? Du wirſt ſehen, R., daß Du Dich doch noch unglücklich machſt! Und was haſt Du denn davon?“ Sie hatte von ihrem Standpunkte aus freilich nicht ſo ganz Unrecht, die alte Frau. Ich„hatte Nichts davon“, als Verfolgung und Aerger, ſowie Verſperrung meiner Carrière für immer. Aber es war nun einmal bei mir ein unbe⸗ ſiegbarer innerer Drang, und—„Gott woll' ſie tröſten, es muß gah'n!“ dachte ich, obſchon's hinterdrein„gebrochen iſt vor'm End'.“
In einer desfallſigen, vom 8. Januar 1848 datirten Er⸗ klärung im Frankfurter Journal, worin der nackte Sachverhalt meiner Ausweiſung aus L. kurz dargeſtellt war, bemerkte ich zum Schluſſe:„Ich überlaſſe die Würdigung dieſes mit dem Wortlaute der Artikel 23 und 33 der heſſiſchen Verfaſſungsurkunde in ſchreien⸗ dem Widerſpruche ſtehenden Verfahrens dem Urtheile des unbe⸗ fangenen Publikums. Da ich meines Wiſſens bis jetzt noch nicht etwa in Folge meiner bisherigen Verbindung mit dem„Deutſchen Zuſchauer“ für vogelfrei erklärt bin, ſondern immer noch, mag ich nun„Notizen ſammeln“ oder nicht, kraft meines ſtaatsbürger⸗ lichen Rechtes unter dem Schutze des die perſönliche Sicherheit innerhalb des Großherzogthums garantirenden Geſetzes ſtehe, ſo


