Mitte zählte, ſo iſt ſie in letzter Zeit zu einer eben ſo koſtſpieligen, als nutzloſen Staatscomödie herabgeſunken, deren traurigſte Frucht die Vernichtung der Inſtitutionen eurer rheiniſchen Schweſterprovinz und die Sanctionirung eines unerträglichen Polizei⸗Strafcoder ge⸗ weſen iſt. Ihr habt auch jetzt wieder das Recht, bei der bevor⸗ ſtehenden Wahl freiſinnige Deputirte als lebendige Proteſte gegen das herrſchende Syſtem in die Kammer zu ſenden. Und ihr be⸗ ſitztgenug unabhängige, geſinnungstüchtige Männer in eurer Nähe, die des öffentlichen Vertrauens werth ſind. Aber es ſcheint faſt, als ob ihr nach alter Gewohnheit als politiſch Taubſtumme darauf verzichten wolltet, und vielleicht werdet ihr gar wieder einen Georgi, Seitz oder Wolff zu euren Vertretern wählen. Wir haben euch wiederholt und laut auf eure unver⸗ äußerlichen Rechte aufmerkſam gemacht. An euch iſt es nun, ſie diesmal endlich zur Geltung zu bringen. Wir rufen euch auf's Neue den alten Spruch Jordan's in's Gedächtniß, der unter Um⸗ ſtänden auch euer politiſches Todesurtheil enthält:„Eine pa⸗ pierene Conſtitution kann nur durch die Bildung und ſittliche Willenskraft des Volkes zur Wirklichkeit und ſo zur Wahrheit werden.“„Ein Oberheſſe.“
In Folge meiner, durch zahlreiche, früher nur zu paſſive Ge⸗ ſinnungsgenoſſen, die meiſtens mit mir in directen Briefwechſel traten, unterſtützten Agitation ſielen die damaligen Landtagswahlen in Oberheſſen überwiegend oppoſitionell aus. In meiner Vaterſtadt machte diesmal der Sohn des allmächtigen Kreisraths S. glänzen⸗ des Fiasco und wurde durch einen bäuerlichen, zwar unabhängigen, aber politiſch nach mancher Richtung noch ziemlich unzurechnungs⸗ fähigen Abgeordneten erſetzt.(Noch am Tage ſeiner Wahl ließ er die in ihrer Naivetät wahrhaft merkwürdige Aeußerung fallen: es wäre doch eigentlich viel geſcheidter, wenn man die Zuſammenbe⸗ rufung der Kammern ganz aufgäbe. Sie koſteten dem Lande gar zu viel Geld, was man beſſer ſparen und den Armen geben könne! Er dachte alſo auch, wie der ſchwäbiſche Volksführer im Bauern⸗ krieg, Matern Feuerbacher:„Einen Landtag brauchen wir nicht. Man landtagt doch Nichts, als daß man Geld geben muß!“ So ganz Unrecht hatten Beide in gewiſſem Sinne nicht.) An der Wahl Dr. Heldmann's in Selters, einer intelligenten oppoſitionellen Kraft, die in den parlamentariſchen Debatten ſofort entſchieden hervortrat, hatte meine Mitwirkung, namentlich die Thätigkeit meiner ſtudentiſchen Sendboten, einen hervorragenden Antheil. Von den rheinheſſiſchen Parteigenoſſen erhielt ich die ſchmeichelhafteſten Belobigungen meiner über Erwarten erfolgreichen Thätigkeit.“Auch Fritz Hecker, den ich bald darauf in Mannheim beſuchte, naunte mich unter herzlichem Glückwunſch und beifälligem Achſelſchlag den


