ſuchungsgefangener nicht mehr ſehen durfte,— ich rufe euch hiermit ein Fahret wohl! in's Grab nach.
Bald darauf begann die Agitation für die neuen Landtags⸗ wahlen. Daß ich mich mit aller Vehemenz mitten hinein warf, war nach meinen Antecedentien ſelbſtredend. Die Oppoſition regte ſich, namentlich in Rheinheſſen, wo unter der Leitung Heinrichs von Gagern ein förmliches Comité dafür zuſammentrat und durch Subſcription einen namhaften Fond zur Beſtreitung der erforder⸗ lichen Koſten ſammelte. Mich ernannten die dortigen Parteige⸗ noſſen zum Wahlcommiſſär für meine Heimathprovinz und ſtellten mir durch Vermittlung des bekannten Doctors von Löhr aus Worms(ſjetzt in San Francisco), eines routinirten und raſtloſen, freilich in der Wahl ſeiner Kampfmittel nicht ſonderlich ſerupuloſen „Wühlers“ par exellence, der mich behufs mündlicher Inſtructions⸗ ertheilung beſonders in meinem Dachſtübchen zu Gießen auſſuchte, mehrere hundert Gulden zur Verfügung. Der junge Gutsbeſitzer T. D. aus der Umgebung von Worms, von da an heute noch mein vertrauter Freund, überbrachte mir dieſe„geheimen Fonds“, die ich redlich verwerthete. Die Campagne begann Ende Auguſt und dauerte bis Ende September 1847, welchen letzteren Monat ich in den Ferien ganz in meinem Heimathsſtädtchen zubrachte. Da ging es denn in meinem ebener Erde gelegenen Zimmer zum großen Entſetzen meiner Mutter, die immer lamentirte:„Du wirſt doch nicht eher ruhen, bis ſie Dich einſtecken!“ vom frühen Morgen bis zum ſpäten Abend, wie in einem Taubenſchlage, aus und ein. Kleine Broſchüren, Wahlaufrufe u. ſ. w. wurden in Maſſe gedruckt und durch zuverläſſige erpreſſe Boten nach allen Richtungen ver⸗ ſandt. Ich ſchrieb und erhielt Briefe nach und von ſämmtlichen Hauptplätzen, geſinnungsverwandte, mir perſönlich befreundete Mit⸗ ſtudenten erhielten von mir Weiſungen und förmliche Diäten, um ihre heimathlichen Bezirke zu bereiſen und unter regelmäßigem, der Sicherheit halber meiſt mündlichem Rapport die ihnen bekannten Wahlmann⸗Candidaten oder ſchon gewählten Wahlmänner in den Wohnungen oder Wirthshäuſern zu„bearbeiten“ u. ſ. w. Kurz, die Wählerei und Wühlerei wurde mit einer ſolchen„Haſt ohne Raſt“ derart ſyſtematiſch von uns betrieben, daß ſogar die Orts⸗ polizei auf Befehl uuſres kreisräthlichen„Paſcha's von 3 Roß⸗ ſchweifen“ zuletzt Tag und Nacht meine Wohnung im elterlichen Hauſe bewachen mußte.„Aber, R., gib Acht, Du machſt Dich unglück⸗ lich!“ zeterten die Meinigen. Ich lachte ſie aus.„Pah“, erwiederte ich,„davon verſteht Ihr Nichts. Was ich da treibe, iſt Alles ver⸗ faſſungsmäßig erlaubt, wenn ſich auch die Kreisräthe So und, So und der Miniſter du Thil noch ſo ſehr darüber ärgern. Diesmal ſollen die Landtagswahlen anders ausfallen, als unſre letzte hieſige,


