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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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und Unverantwortlichkeit in vollem Umfange für ſich in Anſpruch nehmen wolle, namentlich aber haben ſich deren Hauptrepräſentanten, die Kreisräthe, nach uud nach faſt in die Alter⸗Ego's des Mi⸗ niſteriums verwandelt. Wir wiederholen daher die vor Kurzem Ln Heſſens Wähler gerichtete Aufforderu ng desMannheimer Nantdals.Es iſt Pflicht unſrer Landſtände, dahin zu wirken, daß das Inſtitut der Kreisräthe aufhöre. Es wird nicht eher beſſer werden bei uns, bis wir keine Kreisräthe mehr haben. Die tauſend und abertauſend Mißbräuche, welche die Preſſe in jüngſter Zeit Auffederkt, haben uns gezeigt, wie nachtheilig es iſt, wenn die Regierung T Zeamte mit faſt unumſchränkter Vollmacht in die Pro⸗ vinzen ſchickt und dieſe ſo ſelbſtſtändig ſtellt, daß ſie dieſelben als Vertreter ihrer ſelbſt lltrachtet Greiſt man ſolche Beamte an, ſo fühlt ſich die Regierung in ſich ſelbſt angegriffen, und darum ſind alle Beſchwerden gegen ſie bisher fruchtlos geblieben. Wir haben für die Wahrheit dieſer Behauptung einen neuen Beweis geliefert. Will ein hochpreisliches Miniſterium trotz alle Dem unſern gerechten Forderungen auch diesmal keineConceſſionen machen, ſo rufen wir ihm das bekannte Wort Todt's in der ſächſiſchen Ständekammer zu:

Ich fürchte, die Regierung ſpielt ein gefährliches Spiel. Möge nie die Zeit kommen, wo ſie es zu be⸗ reuen hat! Wir aber wollen ſie dabei wenigſtens nicht unter⸗ ſtützen, und wenn unſer Schuldner ſich einſchließt, um unſren Mah⸗ nungen zu entgehen, ſo wollen wir fort und ſort mit dem Hammer unſres guten Rechtes anpochen, bis wir gehört werden. Iſt auch unſer Schuldner ſchwerhörig, er wird uns doch zuletzt hören müſſen, wenn wir laut genug rufen!

Das hohe, ſtellenweiſe etwas naive Pathos, was ich in meiner damaligen ſtudentiſchen Publ iciſtik entwickelte, macht auf mich gereiften Mann, wenn ich jene Druckſachen und Schriftſtücke heute ruhig durchleſe und mir die Stimmungen, unter denen ſie ent⸗ ſtanden, lebhaft ins Gedächtniß zurückrufe, einen gar eigenthüm⸗ lichen Eindruck. Aber ob ich auch hin und wieder etwas in das Declamatoriſche verſiel, während jetzt mehr der Humor und die Satyre bei mir überwiegen, ſo war mir es doch bei Allem, was ich in dieſer Richtung ſchrieb und ſprach, tiefinnerſter ſittlicher Ernſt. Auch bei der Fortſetzung meiner die heſſiſche Büreaukratie überhaupt ſcharf beleuchtenden, nicht nur eine Reihe von andern einflußreichen V zerwaltungsbeamten, ſondern; zuletzt auch das Miniſterium du Thil ſelbſt in ſeinen Hauptmitgliedern keck an⸗ greifenden Zuſchauer⸗ Artikel welche unter der Herrſchaft des da⸗ maligen Syſtems meine Carrière naturnothwendig in Frage ſtellen mußten, folgte ich, unbeirrt durch die brieflichen und mündlichen