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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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einzelne von mir angeführte Thatſachen wurden gar keine Zeugen vernommen, andre blieben unbeeidigt und ſolche, die ich direkt der Beſtechlichkeit beſchuldigt, die alſo genöthigt geweſen wären, wahr⸗ heitsgemäß zu ihrer eignen Unehre auszuſagen, wurden beeidigt und was dergleichen, offenbar durch die höhere Inſtruction ver⸗ anlaßte Irregularitäten mehr waren. Als oſſiciöſe Vertuſchung erſchien einige Monate nachher in dem Kreisblatte des angegriffenen Kreisraths S. der Notabene nach meiner zum Beweis aner⸗ botenen öffentlichen Angabe sans gêne geäußert hatte, erkönne wählen laſſen, wen er wolle, und wäre es der Abdelkader! eine von deſſen Sohn redigirte angeblichactenmäßige Berichtigung der über die Wahlin öffentlichen Blättern erſchienenen Dar⸗ ſtellungen. Dieſer Auszug aus den Unterſuchungsprotokollen war in wahrhaft jeſuitiſcher Weiſe zurechtgemacht. Es wurde darin mit einer wahrhaft klaſſiſchen Unverſchämtheit, für die ich momen⸗ tan kaum den gebührenden Ausdruck wußte, behauptet,ich habe in der Unterſuchung Nichts beweiſen oder auch nur wahrſcheinlich machen können, ſei vielmehr durch dieſelben Perſonen, auf welche ich mich zur Bewahrheitung meiner Ausſtreuungen berufen habe, ausdrücklich der Unwahrheit und Entſtellung beſchuldigt worden. Ich hätte Alles aus purem Aerger darüber erfunden, weil der von mir begünſtigte(in Wirklichkeit aber ſchon wegen ſeiner abhängigen ſtaatsdienerlichen Stellung meinerſeits ausdrücklich refüſirte) Gegen⸗ candidat, ein Rechnungsbeamter und früherer Abgeordneter, ein naher Verwandter von mir ſei ꝛc. ꝛc. Es ſei ein wahrhaft uner⸗ hörter Scandal, daß ein kaum hinter den Ohren trocken gewordener junger Menſch, wie ich, ſich aus ſolchen Motiven nicht geſcheut habe, ins Blaue hinein die Ehre eines hochverdienten allgemein geachteten Beamten öffentlich zu verdächtigen ꝛc. Ja, es wurde am Schluſſe ſogar darauf hingewieſen, daß ich am Ende, in jener gefährlichen Zeit, wo esnur eines Geringen bedurft hätte, durch meine mißliebigen Zuſchauer⸗Artikel einen Volksaufſtand, ſo eine Art von neuem oberheſſiſchemKartoffelkrieg, habe anzetteln undnamenloſes Unglück über eine ganze Gegend verbreiten wollen(!). Daß eine ſolche augenſcheinlich von mir beabſichtigtebeklagenswerthe Calamität nicht wirklich entſtan⸗ den, ſei nur dembeſſeren und richtigen Sinne der Bewohner jener Gegend zuzuſchreiben,welche viel zu richtig urtheilen, als daß man ſie überhaupt und durch derartige Mittel insbeſondere vom richtigen Wege abführen könnte(11!). Während ich mit vollſter patriotiſcher Ehrlichkeit und ohne alle und jede perſönliche Nebenabſichten einzig und allein für die ungeſchmälerte Aufrecht⸗ erhaltung unſrer durch kreisräthliche Autokratie mit Füßen getre⸗ tenen Verfaſſung journaliſtiſch eingetreten war, wurde ich alſo