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ſo berufenen Culturvolkes, wie des deutſchen, zu adeln vermag! In dieſem Sinne bleibt„Studenten“, ihr Jünglinge, immerdar, auch wenn ihr längſt„Philiſter“ geworden ſeid! Dafür gilt jener ſchöne Vers unſres alten Commersbuchs mit dem bekannten Refrain: „O jerum, jerum, jerum!“
„Allein das rechte Burſchenherz kann nimmermehr erkalten,
Im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten.
Die alte Schaale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Kern, Und den laßt feſt uns halten!“—
Indem ich hiermit ſchließen will, fallen mir noch Carl Mayer's gelungene Feuilleton⸗Skizzen aus der Frankfurter Zeitung in die Hand, worin er aus ſeiner Studentenzeit den vorübergehenden Aufenthalt des unmittelbar zuvor aus der Feſtung entlaſſenen Burſchenſchafters Fritz Reuter in Tübingen ſchildert. Der humor⸗ voll gemüthliche Mecklenburger Studio, der ſeine poetiſche Begabung damals wohl ſelbſt kaum ahnte, wurde nach ſo langer Haft hinter den Schoppen der Tübinger Kneipe unter ſeinen gleichfarbigen jüngeren Commilitonen gründlich warm und wußte dieſelben durch draſtiſche Erzählungen aus der Zeit ſeines politiſchen Martyriums derart zu elektriſiren, daß ſogar der Beſuch der Collegia Seitens der enthuſiasmirten Zuhörer darunter zeitweiſe Noth litt. Freund Mayer ſagt darüber u. A. ſehr richtig:„Wie losgelaſſen waren wir allerdings und wie ausgelaſſen auf dieſer Weide, aber wenn das Vieh aufwärts weidet, wird das Wetter gut, ſagt man in den Alpen, und wir weideten aufwärts. Ein edler Schwung, der auch rohe Formen vergeiſtigt und mit natürlichem Widerwillen das Gemeine abſtößt, belebte dieſe Unterhaltungen, aus welchen der
Ich denke in der Beziehung gerade ſo, wie der ehemalige Burſchenſchafter F. Reuter, und in dieſem Sinne, mit einem gleichen Mahnrufe an die junge akademiſche Generation, beende ich meinen vorliegenden Rückblick auf die Gießener Studentenjahre von 1844 bis 1847, der nicht bloß für die weiland Commilitonen jener Zeit,
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