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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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jetzige allgemeine brüderliche Einigkeit, wo die bisherige Zwietracht der Parteien ſchweigt und die Corps', wie die Allemannen und Nichtverbindungsmitglieder ſich für ein gemeinſames Prinzip ein⸗ ander die Hände reichen. Er trinkt auf die Wiederherſtellung der alten ſtudentiſchen Einigkeit zu feſterer Aufrechterhaltung unſres Palladiums, der akademiſchen Freiheit. Es wird auf dieſen frommen Wunſch unter Baiſt's Commando ein etwas tumul⸗ tuariſcher Salamander gerieben, an dem ſich ſogar einigeKata⸗ logen(katholiſche Theologen wir hatten damals noch in Gießen eine katholiſch⸗theologiſche Fakultät) betheiligen. ꝛc. ꝛc.

Das Herz wird mir unwillkürlich warm, indem ich dieſe unter dem unmittelbarſten Eindruck der Thatſachen vor nun bei⸗ nahe 30 Jahren niedergeſchriebenen Zeilen hier wiedergebe. Es waren doch glückliche Tage der friſchen unverdorbenen Jugend, wo wir neben dem obligatoriſchen Studium der Brodwiſſenſchaften und dem Treiben der Kneipe und Menſur noch den jungfräulich naiven Glauben an allgemeine Ideen hatten und, eventuell ſelbſt auf Ge⸗ fahr der künftigen Carrière, trotz allen Kanzlern und Univerſitäts⸗ richtern keck für ſie eintraten.

Etwa ein Jahr ſpäter, als die fortgeſetzte Fehde Credner's mit ſeinen durch das Miniſterium du Thil unterſtützten Gegnern in ein ſo bedenkliches Stadium getreten war, daß man ſogar ſeine Entfernung vom Katheder für nahe bevorſtehend hielt, richteten wir, abermals aus ſämmtlichen Fakultäten, auf Anregung des da⸗ maligen allgemeinen ſtudentiſchen Ausſchuſſes, an Credner folgende Adreſſe, deren Concept ich heute noch beſitze:

Hochzuverehrender Herr Profeſſor! Schon längſt wird Ihr Name unter Denen genannt, die auf dem Gebiete der Wiſſenſchaft ſich großes Verdienſt erworben haben. Dafür wird Ihnen die Anerkennung ſo vieler gelehrter und trefflicher Männer unſres Volkes und des Auslandes. Wer aber an dem Orte Ihrer un⸗ mittelbaren Wirkſamkeit weilt, auch wenn er nicht Ihr Schüler ſein ſollte, wie Viele der Unterzeichneten, weiß ganz beſonders, wie Sie in Leben und Wiſſenſchaft ſtets mit dem Muthe der Ueber⸗ zeugung für Wahrheit und Recht gekämpft und jedem, wenn auch noch ſo hoch ſtehenden Gegner männlich die Stirne geboten haben. Warme Liebe regt ſich deßhalb in uns für den Mann, der mit ſo klarem Geiſte und feſtem Willen thätig iſt, und im Vertrauen auf Ihren edlen Sinn, der auch in der akademiſchen Jugend ein wahres Streben und den Trieb zukünftiger Entfaltung ſieht, wagen wir es gerade jetzt, unſrer Verehrung Ausdruck zu geben.

Sie haben jüngſt in einer Schrift, über deren eigentlichen Inhalt hier ein Urtheil abzugeben wir uns nicht befugt erachten, der freien Wiſſenſchaft, die keine andre Herrſchaft, als die