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hängende Menſch, den man ſich nur denken konnte. Er war Jung⸗ geſelle und charakteriſtiſch für ihn iſt, daß er, wie ich weiß, öfter Einzelnen ſeiner ihm befreundeten Zuhörer, die, wie er merkte, in momentaner Geldverlegenheit waren, sans gone die Piſtole auf die Bruſt ſetzte und in einer ſo naiv liebenswürdigen Weiſe, daß ſie trotz aller Verlegenheit gar nicht ausweichen konnten, ſeinen „Pump“ geradezu aufnöthigte. Daß die baldmöglichſte Abtragung eines ſo generöſen Darlehens erſte Ehrenpflicht war, verſtand ſich von ſelbſt. Er iſt todt, aber gar Manche ſeiner Tiſchgenoſſen vom „Einhorn“ werden heute noch ſeiner unverwüſtlichen, nichts weniger, als magiſterhaften Laune gedenken.—
Solche Lehrer— und ſie ſind die ebenbürtigen Pendants zu den Hallenſer Profeſſoren Börne's, Reil und Steffens— wiſſen die tüchtige ſtrebſame Univerſitäts⸗Jugend, die neben das Rappier und den Schläger gar gerne Heft und Buch legt, zu ernſtem wiſſenſchaftlichem Studium zu begeiſtern, nicht aber jene Zopf⸗Pro⸗ feſſoren, die Jahr aus, Jahr ein beſtändig aus demſelben, höchſtens durch ein paar ſpärliche Randgloſſen erweiterten Hefte diktiren. Und der Letzteren haben wir leider! heutzutage die Mehrzahl, während die Erſteren„weiße Raben“ ſind. Wenn man hier und da über die Verwilderung unſrer akademiſchen Jugend und ihren Mangel an wiſſenſchaftlichem Streben zetert, ſo möge man be⸗ denken, daß die Studenten wahrlich daran nicht allein die Schuld tragen, ſondern gar oft zum weitaus größeren Theile unſre geiſt⸗ los trocknen, mit ihnen nicht im gehörigen Contacte ſtehenden „pyramidalen“ Profeſſoren. Beruft tüchtige Lehrer, ſo wird es euch auch an tüchtigen Schülern nicht fehlen! Aber dieſe Famuli Wagner, wie ſie jetzt auf ſo vielen Kathedern im vollſten Magiſterdünkel ſich breit machen, thun's wahrlich nicht.
Einen glänzenden Beweis dafür, wie ſehr geiſtvolle und zu⸗ gleich geſinnungstüchtige Docenten, ächte Prieſter ihrer Wiſſenſchaft, die leicht empfängliche ſtudirende Jugend zu elektriſiren Verſtchenr lieferte zu meiner Zeit vor Allem der obengenannte Credner. Wie ſchon bemerkt, trat der wackre Gelehrte auf Grund der vor⸗ liegenden öffentlichen Rechtsurkunden, namentlich, ſo viel ich mich erinnere, der durchaus liberalen, für das verſchwiſterte Marburg erlaſſenen Beſtimmungen Philipps des Großmüthigen, für die Frei⸗ heit der wiſſenſchaftlichen Forſchung und Lehre innerhalb der Uni⸗ verſität gegen den damals allmächtigen Kanzler von Linde tapfer in die Schranken und hatte in dieſem Streite unſre ganz entſchie⸗ dene Majorität hinter ſich.„Freiheit des Lehrens und Lernens auf den deutſchen Hochſchulen!“ das war unſre Parole, und Credner war ihr unerſchütterlicher Verfechter. Als eine ſeiner erſten Bro⸗
ſchüren zur Vertheidigung dieſes akademiſchen Palladiums erſchienen


