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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
Entstehung
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Solcher Pyramiden dürſte das V. Scheffel'ſche Krokodil in dem bekannten luſtigen Commersbuchliede mehrere Dutzend umtanzen, ohne daß die Wiſſenſchaft oder die Menſchheit überhaupt dadurch irgend welchen Schaden erlitte. So ſehr wir ſonſt nicht gerade an einem Uebermaße von Pietät und Obedienz leidenden Muſen⸗ ſöhne würdige Vertreter der Wiſſenſchaft zu ehren wußten, welche mit dem Ernſte des Docenten eine liebenswürdige, aller Pedanterie entkleidete Urbanität außerhalb des Hör⸗ und Prüfungsſaales zu verbinden wußten, ich nenne hier nur die zu meiner Zeit be⸗ ſonders populären Namen des genialen Chemikers Liebig, des durch Geiſt und Humor gleich ausgezeichneten Literarhiſtorikers F⸗ Hillebrand, des gelehrten und männlich unabhängigen, im Privatverkehr mit ſeinen Schülern wahrhaft väterlichen Theologen Credner und ſeines, mit dem gründlichſten Wiſſen die gemüth⸗ lichſte, naturwüchſig derbe Bonhommie verbindenden Collegen Knobel ſo galt doch für jene außerhalb des modernen Lebens ſtehenden Perrücken bei uns die oft geſungene Traveſtie:Pereant diabolus, quivis antiburschins atque professores! Den Erſteren brachten wir mit wahrer Begeiſterung Fackelzüge und Serenaden, den Letzteren aber Pereats mit obligatem Fenſtergeklirr. In dieſer Hinſicht gaben wir bezüglich öffentlicher Manifeſtationen der Sym⸗ pathie und Antipathie den Pariſer étudiants aus dem quartier latin wenig nach. Die akademiſche Jugend hat nicht nur gute Impulſe, ſondern auch einen ziemlich ſichren Inſtinkt, und man wird immer finden, daß tüchtige zopfloſe Lehrkräfte mit der Deviſe: Non scholae, Jed vitae discimus unter ihren ſonſt ſo muth⸗ willigen, keine Zwangs⸗Autorität anerkennenden Zuhörer⸗Kreiſen den gebührenden Reſpect genießen. Wenn Einer der Obengenannten durch unſere Reihen ging, da flogen die bunten Mützen rechts und links, und ſo oft irgend einRandal geplant war und ein popu⸗ lärer Profeſſor ließ die einflußreichſten Führer freundlich zu ſich in ſeine Privatwohnung bitten, um zwiſchen den vier Wänden ab⸗ mahnende Worte an ſie zu richten, ſo fruchtete das zehnmal mehr, als eine offizielle Relegationsandrohung des akademiſchen Senats. Es iſt gar leicht, die Liebe und Achtung unſrer ſtudirenden Jugend nicht nur auf den Univerſitäten zu gewinnen. Aber dazu ſind Lehrer erforderlich, die nicht nur die Wiſſenſchaft gründlich tractiren, ſondern ſie auch mit den praktiſchen Forderungen des modernen Lebens zu verbinden und gerade dadurch ihren Schülern den rechten Lerntrieb für ſie einzuflößen wiſſen, keinePyramiden Aegyptens à la Heine. Dieſe Jugend will keinen trocknen, die Grundſätze, Regeln und Erfahrungsſätze mechaniſch an den Fingern herzählenden Vortrag. Umgepackt zu werden, will ſie ihn be⸗ lebt wiſſen durch Hinweiſungen auf die Gegenwart außerhalb des