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ſtoß mit den Studenten unternommen worden, keineswegs aus un⸗ freundlicher Geſinnung gegen das Militär oder ſeinen Befehls⸗ haber.“—
Olim meminisse juvabit! Dieſes improviſirte Stück alter burſchikoſer Romantik— meines Viſſens der letzte deutſche Stu⸗ denten-Auszug in optima forma— war trotz allem Pech, was uns Ausſchußmitglieder im Widerſpruche mit dem obigen frommen Wunſche ſpäter noch heimſuchte, im Ganzen gut verlaufen, und gewiß werden alle daran mitbetheiligten Commilitonen unſrer Hochſchule, welche dieſe Zeilen leſen, in fröhlicher Rückerinnerung mit mir geiſtig einen„Salamander“ reiben zu Ehren der Gießener Studentenſchaft vom Herbſte 1846 und zugleich der wackren Gie⸗ ßener„Philiſter“. Vivant, floreant, crescant!—
Hinterdrein wurde freilich uns zwölf Rädelsführern von der ſ. g. Commiſſion die Kehrſeite der Medaille von der Reſidenz aus präſentirt. Einige Zeit nachher, nachdem die Wogen des Aufruhrs ſich geglättet, wurde durch ein beſonderes, von dem übelberufenen Kanzler von Linde veranlaßtes Miniſterialreſcript die Einleitung einer Disciplinarunterſuchung gegen uns auf Grund unſrer Er⸗ lärung vom 11. Auguſt im Frankfurter Journal wegen Belei⸗ digung der Amts- und Dienſtehre des Polizeiraths Zulehner an⸗ geordnet, weil wir uns nicht entblödet hatten, deſſen Handlungs⸗ weiſe als eine für die Studentenſchaft„ſchimpfliche“ und einen„Ueber⸗ griff polizeilicher Beamtenwillkür“ zu bezeichnen. Das war für die büreaukratiſchen Herren vom grünen Tiſche der Reſidenz, ob⸗ gleich ſie, mit dem geheimen Oberſteuerrath Welcker zu reden, ſelbſt „ſtudirte Leute“ waren, doch ein crimen laesae majestatis der überdies von uns als„luſtig“ oder gar„ſchuftig“ beſungenen hohen Polizei, das nicht ungerochen bleiben durfte. Dieſe„Rotte böſer Buben“, wie uns Pfarrer Hartnagel von der Kanzel ge⸗ nannt, mußte wenigſtens in ihren Häuptern gezüchtigt werden. Es „raſ'te der See und wollte ſein Opfer haben!“ Das Datum weiß ich nicht mehr genau. Aber auf einem der öfter erwähnten C. Beck'ſchen Bilder ſehe ich gegenüber einem vor dem ſchwarzen Brette verſammelten„tumultuariſchen“ Studentenhaufen einen Gens'darmen baarhaupt mit flatterndem Haar daherſprengen, in der Hand eine Stange mit einem rieſigen Plakat, worauf die Ueberſchrift prangt:„Proſit Neujahr! Miniſterialreſcript vom 30. December 1846.“ Und Das hat offenbar auf die uns zugedachte Maßregelung Bezug. Die Disciplinar⸗Unterſuchung führte der allen damaligen Studenten wohlbekannte Herr Haberkorn(„der faßt die Studio's auf das Korn!“ hieß es in unſerm Spottliede) und zwar mit einer für uns, nicht aber für ihn„haarſträubenden“ Gründlichkeit. Wir wurden alle Zwölfe, nachdem Einige von uns


