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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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brechen meine Protokolle plötzlich ab. Leider! ſcheiterte bald darauf das ſchöne Projekt, der momentanen Verbrüderung aller Parteien einen dauernden Halt und feſte Organiſation zu verleihen, deſſen nur auf allgemeine Angelegenheiten beſchränkte Ausführung ſicher noch auf vielen andern deutſchen Univerſitäten erfreuliche Nach⸗ ahmung gefunden haben würde. Immerhin bezeichnet es zur Ge⸗ nüge den guten Geiſt, der damals unter den Jüngern unſrer alma mater Ludoviciana herrſchte, und wenn auch dies, für die damaligen Verhältniſſe vielleicht noch allzu ideale Ziel nicht erreicht wurde, ſo durften wir doch in der Hauptſache mit einer gewiſſen inneren Befriedigung auf den ganzen Verlauf unſrer akademiſchen Revolte zurückblicken. Es wird mir daher wohl vergönnt ſein, hier mit einigem Stolze das Wort zu citiren, was ein Correſpondent des Frankſurter Journals in ſeinem Schluß⸗Reſumé vom 13. Au⸗ guſt 1846 über dieſe ganze Angelegenheit geſagt hat:Ohne uns ein weiteres Urtheil über die Sache ſelbſt zu erlauben, muß zuge⸗ ſtanden werden, daß ſich bei dieſer Gelegenheit viel tüchtiges Element unter unſrer akademiſchen Jugend gezeigt hat und daß es höchſt wünſchenswerth ſei, daß jede unnütze Aufregung ſowohl von Seiten der Studirenden, als auch Derjenigen vermieden werden möchte, in deren Hand es gelegt iſt, die Jugend durch Geſetz und väterliche Leitung zugleich auf der Bahn der Ordnung zu erhalten. Ein andrer Berichterſtatteraus Oberheſſen ſchreibt in demſelben Blatte unterm 18. Auguſt: Unſere Univerſitätsſtadt Gießen hat ein Drama ausführen ſehen, das heutzutage nicht oft mehr vorkommt einen Auszug ſämmt⸗ licher Studenten. Oeffentliche Blätter haben darüber berichtet, zum Theil, wie das ſo zu gehen pflegt, von einſeitigem Stand⸗ punkte aus; das Drama iſt faktiſch zu Ende, d. h. die Studenten ſind zurückgekehrt, und Ruhe und Ordnung iſt in allen Beziehungen wieder eingetreten. Hoffen wir, daß keine Nachwehen kommen, d. b. daß die Staatsregierung milde erwägen möge, wie ſchwer es für 4500 aufgeregte junge Leute iſt, bei ſolcher Veranlaſſung alle Polizeivergehen oder Illegalitäten zu vermeiden, und daß ſie daher die Bitte der Studenten um Vergeben und Vergeſſen alles Vorgeſallenen zu gewähren ſich veranlaßt ſehe! Daß das Ganze ſchnell zum Ende geführt wurde, ſcheint zum großen Theil Verdienſt des dortigen Gemeinderaths, der ſehr lebhaft um baldige Rückkehr der Studenten ſich bemühte und für ſie ſich verwendete. Bemerkt möge dabei werden, daß derſelbe dem Befehlshaber der Chevaurlegers, Rittmeiſter von Jungenfeld, für die humane Art und Weiſe, wie er ſeinen Auftrag vollführte, danken ließ mit der Verſicherung, daß die gemeinderäthlichen Schritte, um den Abzug des Militärs zu bewirken, nur aus Rückſicht auf möglichen unangenehmen Zuſammen⸗