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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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läßt ſich eher denken, als beſchreiben. Natürlich fingen die Fröſche ſofort herumzuhüpfen an, und das widrige Gefühl, wenn ſo ein naßkaltes Amphibium einem Schläfer mitten in's Geſicht ſprang, war noch weit unhehaglicher, als die Tritte des vorher umherge⸗ purzeltenHolland, obgleich die Brüder Studio's bekanntlich ranarum more vivunt, d. h. ſtets eine durſtige Kehle haben. Zuerſt hörte man hier und da den Ruf:Laß' mir doch deine kalte Hand aus dem Geſicht! Als aber die durch Fauſtſchläge u. ſ. w. beunruhigten Thierchen ihre Sprünge noch verzweifelter fortſetzten, gab es allgemeinen Allarm. Alles wurde natürlich wach, und beim Scheine der trüben Laterne begann einewilde, wenn auch nichtverwegene Froſchjagd, bis man endlich den letzten dieſer fatalen nächtlichen Ruheſtörer gefangen und hinaus⸗ ſpedirt hatte. Der Schlaf war ſelbſtredend zum Teufel und alle möglichen Donnerwetter ſtrömten auf das Haupt des unbekannten Urhebers eines ſo beiſpielloſen Schabernacks herab. Das auf die Wirkung ſeines Streiches in der Nähe lauerndeHolland rieb ſich beim Anhören dieſes infernaliſchen Scandals mit ſchadenfrohem Grinſen ob der gelungenen Rache die Hände. Erſt ſpäter wurde in Folge renommirenden eigenen Bekenntniſſes der Uebelthäter bekannt. Die Geſchichte war aber denn doch zu luſtig, als daß ſie vor lauter Lachen der Betroffenen weitere Folgen auf der Menſur gehabt hätte.

Auch kleine Tänzchen wurden mit den ländlichen Schönen von uns arrangirt, wozu der bekanteNotenkopf mit einigen Mit⸗ gliedern ſeinerCapelle aufſpielte, und die drallen Bauerndirnen ſchwangen ſich zum großen Aerger der momentan durch unſre Con⸗ kurrenz verdrängten dörflichen Verehrer munter im Kreiſe am Arme der flotten Studio's. Im Uebrigen wußten ſie deren keckem Muth⸗ willen mitunter auch derb die Zähne zu zeigen, und ſind mir darüber noch einige recht ergötzliche Geſchichtchen erinnerlich, wobei forſche Helden der Menſur von weiblicher Hand tüchtigabgeführt wurden. 3 Noch am Freitag Abend unſres Einzugs in Stauffenberg ent⸗ ſandten wir eine Deputation an den akademiſchen Senat nach Gießen, um wegen eines anſtändigen Ausgleichs zu verhandeln. Erſte Bedingung war natürlich ſofortiger Abzug der Butzbacher Dragoner. Sobald dieſer erſolgt, verſprachen wir auf Grund der uns früher gewordenen ausdrücklichen Zuſicherungen bezüglich der Polizeirath⸗Zulehner'ſchen Affaire ungeſäumte Rückkehr in die Muſen⸗ ſtadt und gewohnten Fortbeſuch der Vorleſungen. Unſre Deputation beſtand durch einen charakteriſtiſchen Zufall aus zwei extrem radi⸗ kalen Perſönlichkeiten, die ſich ſpäter bei der hohen Staatsbehörde politiſch mehr oder minder ſtark compromittirt haben, meinen beiden Freunden stud. jur. Th. Götz aus Mainz, der ſpäter kurz vor

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