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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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der Klinik, zu finden und zeichnete ſich nicht nur durch ſeinen coloſſalen permanenten Bierdurſt, ſondern auch durch das ergötz⸗ liche Kauderwälſch aus, was er als bunte Miſchung von gutem Holländiſch und geradbrechtem Deutſch zu Tage förderte. Dieſer zwieſchlächtige Jargon nahm ſich, namentlich in ſeinen vom Carcer datirten brieflichen Ergüſſen an die Corpsbrüder der ſpäteren Rhenania ſo zum Todtlachen drollig aus, daß die Letzteren ſich förmlich um ſeine polyglotten Manuſcripte riſſen und er zuletzt aus Aerger, wie Wallenſtein aus anderen Gründen, nichts Schriftliches mehr von ſich gab. Wenn die ungeduldigen Manichäer ihm Morgens mit ihren Rechnungen vor das Bett rückten, pflegte er trotz ſeines um dieſe Stunde chroniſchen Katzenjammers mit vollſtem holländi⸗ ſchem Phlegma zu antworten:Word Alles betaalt! Und richtig, ſo geſchah's auch. Obwohl er mit ſtarken Schulden die Univerſität verließ, wurden ſie von ſeiner Familie doch alle auf Heller und Pfennig berichtigt und ſein Stiefelfuchs erhielt ſogar noch ein Ertra⸗Douceur. Als unſere ſtudentiſche Feuerwache in der zweiten Nacht ihre Patrouille abging, fand ſie beſagtesHolland in ſtark angeheitertem Zuſtand ſchnarchend auf der Straße. Aus reiner Menſchenliebe ſchleppte man ihn in die nächſte Scheune, wo einige Dutzend Muſenſöhne, von den Strapazen des Tages er⸗ ſchöpft, einentiefen Schlaf thaten. Holland, das in ſeinem momentanen Zuſtande ſelbſtredend keine equilibriſtiſchen Uebungen machen konnte, purzelte in der nur durch eine Stall⸗Laterne zweifel⸗ haft erleuchteten Dunkelheit blindlings über die Körper, namentlich auch Köpfe und Geſichter der Schläfer hinweg, was unter den ſo unerwartet Aufgeweckten natürlich einen Sturm furioſeſter Entrüſtung hervorrief.Schmeißt die Volleule hinaus! war der einſtimmige wüthende Ruf, und das Holland wurde ohne Gnade und Barm⸗ herzigkeit ſehr unſanft am Kragen gepackt und an die Luft geſetzt. So grauſam erportirt, fühlte ſichHolland in Noth, machte einen unfreiwilligen Spaziergang nach dem nahen Kirchberg und brütete auf Rache. Die Erſchütterung des Hinausfuhrwerkens und die kühle Nachtluft hatten ihn etwas ernüchtert, und als er in dem benachbarten Teiche die Fröſche quakſen hörte, ſtieg ein wahrhaft diaboliſcher Gedanke in ihm auf. Er watete in das Waſſer und fing ſich alle Hoſen⸗ und Rocktaſchen voll der Ariſtophaniſchen Brekeker⸗Koax⸗Schreier. Mit dieſer Fracht kehrte er wuthſchnaubend zu der Scheune zurück, aus der ihn die ungaſtlichen Commilitonen ſo ſchnöde ermittirt hatten, öffnete leiſe das Thor und ſchüttete unter mephiſtopheliſchem Hohnlachen das ohngefähre Dutzend jener klebrigen Thierchen über die argloſen Schläfer aus, nach vollbrachter That klüglich denſtrategiſchen Rückzug antretend. Der Aufruhr, der nunmehr unter den ſchnarchenden Inſaſſen der Scheune entſtand,