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lidjumlei! Luſtig iſt die Polizei!“ Daß die früher genannte Variante auf„luſtig“ entſchieden vorherrſchte, iſt ſelbſtverſtändlich. Als wir in Stauffenberg zum großen Erſtaunen der auf einen ſo maſſenhaften Zuzug nicht vorbereiteten, überall die Köpfe verblüfft zum Fenſter herausſtreckenden„Kaffern“ einmarſchirten, trat trotz unſerer vorausgeſchickten beiden Quartiermacher ſofort die moderne, damals unter gewöhnlichen Verhältniſſen gar nicht denkbare Calamität der„Wohnungsnoth“ ein. Die Ortseinwohner verweigerten uns Anfangs die Benutzung ihrer Scheunen zum nächtlichen Strohlager aus Furcht vor der, durch ſolche ſtets tabakqualmende Inſaſſen drohenden Feuersgeſahr. Auf der Straße aber konnten die Leute doch Nachts nicht ſchlafen, und an ein militäriſches Bivonac waren unſere damals noch nicht durch den obligatoriſchen Ein⸗ jährigen⸗Dienſt gegangenen Muſenſöhne nicht gewöhnt. Studioſus Greim und, ſoviel ich mich erinnere, ich ſelbſt gingen als Depu⸗ tation der unerwarteten, theilweiſe höchſt unerwünſchten Einquar⸗ tierung zum„regierenden“ Bürgermeiſter des Dorfes, um mit ihm über dieſe brennende Frage zu parlamentiren. Zur Beſeitigung des bäuerlichen Hauptbedenkens erboten wir uns, eine ſtudentiſche Feuerwache zu organiſiren, welche allnächtlich in halbſtündigen Zwiſchenräumen mit blanken Schlägern alle Gaſſen abpatrouilliren ſollte, und dieſe Garantie genügte dem ländlichen Biedermann voll⸗ ſtändig, ſodaß uns von da an ſofort alle Scheunen des Dorfes als improviſirte Studentenkaſernen offen ſtanden. Das Haupt⸗ quartier richtete der Ausſchuß in einem am Fuße der Burgruine gelegenen, verhältnißmäßig eleganten einſtöckigen Häuschen ein. Das Zimmer links war unſer officielles Büreau, worin wir als „proviſoriſche Regierung“ unſere Audienzen ertheilten, und rechts ſaßen wir, wenn nichts„Geſchäſtliches“ zu thun war, höchſt unofſiciell in Hemdsärmeln hinter den Biergläſern mit den langen Pfeifen. Vor der Hausthüre ſchritten mit würdigſter Grandezza als Schildwachen 2 nach Corps' und Verbindungen jede Stunde regelmäßig ſich ablöſende ſchlägerbewaffnete Studenten auf und ab. Wenn ein Beſuch kam,— und ſie mehrten ſich von Tag zu Tage—, machten ſie ordonnanzmäßige Meldung und erſt nach unſerer aus⸗ drücklichen Genehmigung erhielt er Zutritt. Wir waren die zeit⸗ weiſen Inſurgenten⸗Chefs der Gießener Studentenſchaft und wußten, was wir in Bezug auf die„dehors“ unſerer Stellung ſchuldig waren.
Der viertägige, vom 7. bis 11. Auguſt dauernde Aufenthalt in Stauffenberg verlief im Ganzen, die unvermeidlichen Unbequem⸗ lichkeiten dieſes ſtudentiſchen Zigeunerlebens abgerechnet, die mit dem benöthigten Humor ertragen wurden, recht gemüthlich. Natür⸗ lich wurde— pro primo—„rieſig“ gekneipt. Was ſollten wir


