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gottloſe Treiben der„böſen Buben“ gezetert, die ſich zuſammen⸗ rotteten, um einen im Dienſt ergrauten, gut katholiſchen Mann zu verfolgen. Das war Oel in das verglimmende Feuer gegoſſen. „Dem Pfaffen müſſen die Fenſter eingeſchmiſſen werden!“ hieß es. Sobald es dämmerte, ſammelte ſich auf dem Kreuz ein tüchtiger Rudel lärmender Studenten, welche zu der Wohnung Hartnagels zogen, um ihm ein ſolennes Pereat! mit obligatem Scheibengeklirr zu bringen. An der Spitze ſchritt, ſo zu ſagen, als Tambour⸗ major, Studioſus Schneider aus Heppenheim(meines Erinnerns ſelbſt ein guter Katholik), inzwiſchen als Diſtrictseinnehmer in Groß⸗Felda geſtorben und ſeiner reckenhaften Geſtalt halber der „lange Samſtag“ zubenamſet. Ich hatte ihn vorher ruhig gewarnt, aber es half Alles Nichts, und daß ich natürlich, wenn es denn doch einmal losging, mit dabei ſein mußte, verſtand ſich von ſelbſt, war es auch nur, um allzuſtarke Exceſſe möglichſt zu verhindern. In der Nähe der H.'ſchen Wohnung entwickelte ſich ein gräuliches Gejohle, aber es gelang einigen Ruhigeren im Vereine mit mir, das eigentliche Pereat! und Attentat auf die Fenſter, die indeſſen nachträglich doch noch etwas gelitten haben ſollen, unter Hinweis auf unſere derzeitige kritiſche Stellung zur akademiſchen Behörde als höchſt inopportun zu hintertreiben. Aber„die ich rief, die Geiſter, werd' ich nimmer los!“ konnte der auf unſere Vorſtellungen endlich zur Beſinnung gekommene Rädelsführer Schneider ausrufen. langer Samſtag, du haſt mit deiner unverſöhnlichen Malice gegen den„v— Pfaffen“ viel Unheil angeſtiftet! Obwohl die eigentliche Hauptdemonſtration erſtickt war, verübten die aufgeregten Gemüther doch nach ſonſtigen Richtungen einen„Heiden⸗Scandal“. Singend und„Nieder mit T., Z.1“ und wie unſere amtlichen per⸗ sonae ingratae alle hießen, rufend, durchzogen wir die Straßen, indem wir bald an dieſer, bald an jener Kneipe Halt machten. Wenn die Univerſitäts⸗Garniſon des ſeligen Majors Peppler gegen uns aufmarſchirt wäre, es hätte ſicher ein vollſtändiges Gefecht ge⸗ geben, und zum Barrikadenbauen, Pflaſteraufreißen und Dergleichen zeigten Einige ſehr bedenkliche Neigungen. Vorzugsweiſe laut ge⸗ ſungen, beziehungsweiſe gebrüllt wurde das damals beliebte, nach Art des„Bürgermeiſters Tſchech“ gedichtete politiſche Drehorgel⸗ Lied über die Ausweiſung Itzſtein's und Hecker's aus Berlin, deſſen Refrain:„Lidjum, lidjum, lidjumlei! Luſtig iſt die Polizei!“ unſrer momentanen Stimmung am meiſten entſprach. Leider wurde das„luſtig“ gar oft— ſchrecklich, aber wahr!— in„ſchuftig“ verwandelt, und dieſe frivole Textänderung, die ſich nicht läugnen ließ und an deren Autorſchaft ich ſelbſt nicht ohne Schuld geweſen ſein ſoll, brach uns ſpäter disciplinariter den Hals. Die weitere Variante über das„pereat diabolus!“ des Gaudeamus, die nicht
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