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Von 1846 bis 1853 : Erinnerungen aus Verlauf und Folgen einer akademischen und politischen Revolution / von einem weiland Gießener Studenten und badischen Freischärler [Rudolph Fendt]
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ſaßen an den langen Tiſchen in bunter Miſchung durcheinander. Aller Zwiſt war aufgehoben und die herzlichſte allgemeine Frater⸗ nität proklamirt. Der Senior der Teutonen, der damals den Vor⸗ ſitz in S. C. hatte, Gottwerth, commandirte zum Schluſſe der Ver⸗ handlungen unter einſtimmigem Applaus einen allgemeinen ſolennen Salamander, der mit wahrer Begeiſterung exemplariſch exekutirt wurde. Einen koloſſaleren und ſchöneren Salamander, als dieſen, der mir darum auch ganz unvergeßlich geblieben iſt, habe ich als Student niemalsgerieben. Ich ſehe ſie im Geiſte alle noch um mich ſitzen, die flotten Jungen mit den bunten Mützen auf den Köpfen und den zwei⸗ und dreifarbigen Bändern um die Bruſt, die, ſonſt ſtreitende Brüder, auf einmal eine Familie bildeten und mit keckem Trotzihr Jahrhundert oder doch wenigſtens den ge⸗ ſtrengen Herrn Polizeirath und den hochmögenden akademiſchen Senat in die Schranken forderten. Es galt ebendie Ehre der Studentenſchaft, das war die Parole, undein Hundsſott, wer nicht mit dabei iſt!

Die Gemüther waren erregt, der Schoppen war auch eine erkleckliche Zahlvertilgt worden, und in dichtem lärmendem Zuge wälzten wir uns vom Seltersberg in die Stadt zurück. Etwas mußte geſchehen, um dem verletzten Rechtsgefühl der akademiſchen Jugend irgend einen öffentlichen Ausdruck zu verſchaffen, wenn auch nur, wie Platen ſagt,eine That in Worten.Zu den Advo⸗ katen Welker und Diehm! rief Einer. Bravo! hieß es von allen Seiten. So bewegte ſich denn unſer tumultuariſch lärmender Zug

zuerſt nach den Neuenbäuen, wo in der Nähe der Heyer'ſchen Buch⸗ handlung der Hofgerichtsadvokat Welcker, ein Bruder des weiland badiſchen Abgeordneten und des Bonner Profeſſors, wohnte. Einer von uns ich weiß nicht mehr, ob ich es ſelbſt war brachte ein Hoch auf W. als Vertreter der Humanität und der Studentenſchaft gegenüber denUebergriffen einer brutalen Polizei aus, und eine donnerndere Beifallsſalve, als die nun aus 400 Studentenkehlen Lommentmäßig ausgeführte, habe ich niemals gehört. Von da ging's weiter, und der gleiche Vorgang wiederholte ſich zu allge⸗

meinem Staunen derPhiliſter, ſowie ihrer Weiber und Töchter⸗ lein, die alle neugierig die Köpfe zu den Fenſtern herausſtreckten, die Pedelle waren natürlich verduftet vor der Wohnung des Advokaten Diehm. Das war das erſte revolutionäre Aufbrauſen unſerer zum großen Theil gar zahmen, aber von dem Eindruck des Augenblicks und den Pflichten des akademiſchen point d'honneur hingeriſſenen ſtudentiſchen Maſaniello's.

Das in der Verſammlung des Morgens noch conſtituirte all⸗ gemeine Studenten⸗Comité beſtand aus zwölf Mitgliedern, je zwei Vertretern der Heſſen, Teutonen und Starkenburger und ſechs der