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Allemannia. Ich ſelbſt war Schriftführer und, nebſt L. Büchner, deſignirter Redacteur aller für die Preſſe oder die Behörde be⸗ ſtimmten Schriftſtücke. Wir erſchienen mehrmals ſowohl vor dem Rector(dem perſönlich höchſt wohlwollenden Profeſſor Knobel), als
eum auch vor dem Uniyerſitätsrichter(Dr. T.), denen wir natürlich
unſere Beſchwerden über die ſtattgefundene ſchwere Verletzung der akademiſchen Privilegien, ſowie der Forderungen der Humanität überhaupt in dem ſittlich entrüſteten Tone immatrikulirter Marquis Poſa's höchſt emphatiſch vortrugen, als ob es ſich dabei um eine „europäiſche Angelegenheit“ handle. Der von dem Rector zu⸗ ſammenberufene löbliche Senat, durch die ganz außerordentliche, in den Statuten gar nicht vorgeſehene Situation in ſichtlichſter Ver⸗ legenheit, verſprach uns alles Mögliche, namentlich Verweiſung der ganzen Unterſuchung an das neutrale Hofgericht. Was verſpricht man nicht Alles dem„civium ardor prava jubentium“, wenn man nicht gerade ausreichendes Militär zur Hand hat?„Alles ſchon dageweſen!“ ſagt Rabbi Akiba. Wir cives academici waren in der Beziehung nicht beſſer daran, als die übrigen cives, denen bei revolutionären Maſſenpetitionen die hohen Herren vom grünen Tiſche beſchwichtigend alle nur denkbaren Zuſicherungen machen. Sie wurden für uns hinterdrein gerade ſo wenig gehalten, als für die„Philiſter“.
Die damalige Erklärung des Studenten⸗Ausſchuſſes in der 2. Beilage zu No. 215 des Frankfurter Journals, welche im Publi⸗ kum, leider! auch bei den Eltern und Angehörigen der unter⸗ zeichneten Rebellenhäuptlinge, nicht geringe Senſation machte, lautete folgendermaßen:
„Die Unterzeichneten bringen hiermit, um falſchen Gerüchten und etwaigen Entſtellungen vorzubeugen, im Namen der Studirenden der Ludwigs⸗Univerſität zu Gießen folgenden Vorfall zur öffent⸗ lichen Kenntniß.
„Am Freitag Abend erhielt bei Gelegenheit eines Balles ein betrunkener, Einlaß begehrender Student in Folge eines Wort⸗ wechſels auf Befehl des Herrn Polizeiraths Zulehner von dem wachehabenden Polizei⸗Sergeanten einen Säbelhieb über Stirn und Naſe. Dieſe, für die ganze Studentenſchaft ſchimpfliche Handlungs⸗ weiſe des Herrn Polizeiraths veranlaßte ſchon auf dem Balle und noch mehr nach Bekanntwerdung des Vorfalles in der Stadt allge⸗ meine Entrüſtung unter Studenten und Bürgern. Am folgenden Morgen verſammelten ſich die Studirenden in größter Anzahl und Einigkeit und beſchloſſen die betreffenden Schritte zur Erlangung ſchleunigſter und vollſtändigſter Satisfaction an die Behörde, be⸗ ſonders an den akademiſchen Senat. Eine Beſchwerdeſchrift, von etwa 400 Unterſchriften bedeckt, ging denſelben Nachmittag an den
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