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Das buch von der Tugent und Weißheit, nemlich Neunundviertzig Fabeln, der mehrer theil auß Esopo gezogen unnd mit guten Rheimen verkleret Durch Erasmum Alberum Allen stenden nuetzlich zulesen
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Vom Eſopo wieer gelebt vnd ſich gehalten hat/

ete.

SOpVS iſt ein weiſer

Mañ geweſt/ geborn im groſſen Phry gia/ als der reich Koͤnig Creſus regie⸗ ret in Lydia. Es hat zur ſelben zeit viel weiſer leut gegeben/ vnd in ſanderheit ſindt hoch berhuͤmpt geweſt die ſieben weiſen auß Grecia/ nemlich/ Solon/ Bias/ Tha⸗ les/ Pittacus/ Periaͤder/ Chilo/ Cleobulus. Eſopus war ein armer gekauffter knechte wie denn in denſel⸗ bigen Laͤndern Knecht vnnd Maͤgd zukauffen vnd zu verkauffen gewonheit iſt) darzu vberauß heßlich/ vnd gantz ſchwartz/ das er auch deshalben Eſopus/ das iſt/ ſchwartz/ oder ein ſcheußlicher Mor/ genent wirdt. Auch hatte er ein ſpitzigen kopff/ ein kurtzen hals/ vnd lange lefftzen. Vnd hat doch vnſer Herr Gott dieſen heßlichen menſchen ſo hoch begabt mit weißheit vnd verſtandt/ das man ſeins gleichen we⸗ nig funden hat/ Alſo hat ſich in ſoͤlcher heßlichẽ wo nung ſolcher feiner ſchatz/ vnd treflicher verſtandt gehalten/ dabey vns Gott leret/ das man nicht nach dem euſſerlichen ſchein vrtheiln ſoll.

Vnd iſt doch nicht deſter weniger auch war/ das gemeinlich in verſtelten leuten kein ſonderlicher verſtand/ witz noch tugent iſt/ ſonder 6 die herberg

oder