Druckschrift 
Geistliche Gedichte des Grafen von Zinzendorf : eine Auswahl zur Erinnerung an den Tag seiner Geburt vor zweihundert Jahren / herausgegeben von H. Bauer und G. Burkhardt
Seite
227
Einzelbild herunterladen

(Q/0*... Viſtoriſch-kritiſche Anmerkungen zu eklichen der vorſtehenden Lieder. (Zugleich Richtigſtellung einiger im Text unrichtig 16 angegebener Jahreszahlen.)

dietzen A Seite 3. Du unſer auserwähltes Haupt. Im Jahre 1734

trat Zinzendorf, nachdem er vorher eine beſonders tiefgehende

18 Erfahrung von Erlöſung und Gnadenwahl gemacht, in den

geiſtlichen Stand, um recht ungehindert von der Gnade

Gottes im Blute Chriſti zeugen zu können. In Tübingen hielt

er im Dezember 1734 die erſte öffentliche Predigt und zwar

N über das Thema von der Gnadenwahl. Zum Andenken daran

ließ er daſelbſt obiges Lied, das er ſchon im April 1734 gedichtet,

drucken mit der Überſchrift:Aufrichtige Erklärung des Grafen

von Zinzendorf, wie es ihm ums Herz iſt. Es iſt ſomit in

vollem Sinn ein Bekenntnislied. Die Zeilen:Laß uns in

thöhn lt deiner Nägelmal erblicken unſre Gnadenwahl, die dem Lied

4 gleichſam als Motto dienen, ſind ein Citat aus einem älteren Kirchenlied von Martin Behm( 1622).

Seite 13. Sünde und der Sünden Sold. Dieſes

Lied iſt von Zinzendorf urſprünglich auf den Tod ſeines Privat

ſekretärs Tobias Friedrich( 8. Juni 1736) auf der Ronne⸗

burg in der Wetterau gedichtet, als er dort die Nachricht aus

Herrnhut empfing. Zinzendorf hatte Tobias Friedrich als

fränkiſchen Bauernknaben im Jahre 1722 kennen gelernt und,

um ihn aus der gefährlichen Muſikantenlaufbahn zu retten, zu

ſich genommen. In Herrnhut wurde Friedrich frühzeitig ein

erwecktes und ſehr lebendiges Glied der Gemeine; beſonders

geſchätzt wurde er als Organiſt, indem er durch ſein Spiel dem

Geſang der Gemeine erſt die rechte Weihe gab. Obiges Lied,

zum Andenken an T. Fr. apart gedruckt, hatte urſprünglich eine

ganz andere Geſtalt, voll direkter perſönlicher Beziehung. So

lautete eine Strophe:Doch den angenehmſten Blick hatten wir

in ſeine Demut, Armut, Wehmut. Daran trug er einen Strich,

15*