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Gott ihm gegebene Lebensaufgabe geworden. Alles was er unter nahm, hat im Grunde immer dieſen leitenden Gedanken zum Beweggrund. Und daher muß auch unter dieſem Geſichtspunkt ſeine ganze Arbeit angeſehen werden.
Den Anfang zur Verwirklichung all dieſer Pläne machte er namentlic mit dem Ankauf des Gutes Berthelsdorf im Jahre 1722,
E das in der Nähe von Großhennersdorf lag. Dorthin berief er als Pfarrer einen ihm befreundeten und gleichgeſinnten Mann,
en Joh. Andr. Rothe. Er machte dieſes Gut auch zu ſeinem ſein Herz Wohnſitz, denn er beurlaubte ſich des öfteren, bis er im Jahre 1727 1 dd Schrift den Staatsdienſt ganz aufgab. Mit den beiden Freunden Rothe nicht nur Ver und Zinzendorf gemeinſam, auf dem gleichen Grund und mit
dem gleichen Ziel, arbeitete noch ein dritter im Bunde: Friedr.
von Wattewille. Dieſer ſtammte aus der Schweiz, hatte auf dem Pädagogium in Halle mit Zinzendorf eine innige Jugend⸗ naliger freundſchaft geſchloſſen und war nun als der Genoſſe ſeines
und ſitt Lebens zu ihm gezogen. In ihrem Jugendbund hatten ſie ſchon llte er in Halle, durch Francke angeregt, die Heidenmiſſion ins Auge
gefaßt. Ja ſie hatten untereinander ausgemacht, gerade auf ſolche Heiden ihr Auge zu richten, deren ſich ſonſt niemand an achbildung des nehmen würde. Jetzt bildete das noch nicht ein Stück ihres Planes, aber zehn Jahre ſpäter kam der Gedanke zur Aus
führung. In demſelben Jahre, 1722, vermählte ſich Zinzendorf mit Erdmuth Dorothea, geb. Gräfin Reuß⸗Ebersdorf. Sie war die Schweſter ſeines Freundes, des Grafen Heinrich XXIX. Reuß. Und auch in ihr fand er eine wackere Genoſſin, die nicht nur Verſtändnis für ſeine Arbeit hatte, ſondern auch vielfach ſelber thätig mit eingriff. So entfaltete ſich denn von Berthels dorf aus eine rege Thätigkeit für das Reich Gottes, die von Spener und Francke ihre Formen entlehnte und doch über beide hinausging.
Da ſenkte Gott ganz unerwartet ein neues Reis in dieſen Boden. Eines Tages, es war im Juni 1722, erſchien Chr. David, ein Zimmermann aus Mähren, der aber ſchon viel in Deutſchland gereiſt und einige Wochen zuvor mit Zinzendorf zuſammen getroffen war, in Berthelsdorf mit etlichen Leuten, die um ihres
evangeliſchen Glaubens willen aus Mähren ausgewandert waren. Er bat, dieſe Leute aufzunehmen und ſie auf Berthelsdorfer
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