Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
Seite
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bis jetzt wenigſtens, nicht verantwortlich gemacht werden kann(der Menſch kann ſchließ⸗ lich nicht über ſeine Verhältniſſe hinaus), auch noch in den letzten Jahren ein Sinken der Productenpreiſe hinzugekommen iſt, können die Klagen der Landwirthe über unzureichende Einnahmen wohl kein Erſtaunen erwecken. Viel mehr muß es Erſtaunen erwecken, wenn in landw. Vereinsverſammlungen der Ausſpruch gehört wird, daß in den landw. Zei⸗ tungen nicht über ſo gelehrte Sachen wie z. B. über Kali, Phosphorſäure, Ammoniak, Protein, Kohlenhydrate oder über Arbeitstheilung u. dgl. geſchrieben werden ſolle, da die Bauern das doch nicht verſtünden. Ein ſolcher Tadel an der landw. Vereinszeitſchrift iſt gegenüber den oben angeführten Thatſachen wahrlich ein Verbrechen am Bauernſtande; denn wie ſollen die Landwirthe für ihre Zeit herangebildet und wie ſoll ihnen geholfen werden, wenn man ihnen nicht zumuthen darf, etwas zu lernen? Was die niedrigen Preiſe anbetrifft, ſo muß in Betracht gezogen werden, daß dieſelben nicht blos bei den landw. Producten herrſchen, daß dieſe niedrigen Preiſe vielmehr faſt bei allen Erzeug⸗ niſſen des menſchlichen Fleißes gegenwärtig von den betreffenden Producenten getragen werden müſſen. Die Landwirthe müſſen ſich eben gewöhnen, mit ſolchen Preiſen zu rech⸗ nen; denn es iſt wenig Ausſicht vorhanden, daß ſie wieder weſentlich höher werden. Außer⸗ dem muß berückſichtigt werden, daß das durch die Ausnutzungsfähigkeit des Bodens ver⸗ tretene Capital, alſo das ſog. Grundcapital(der Bodenwerth), vermöge der für dasſelbe beſtehenden großen Sicherheit, wie bereits früher angedeutet, keine höhere Verzinſung

erwarten kann, wie durchſchnittlich etwa 2 oder höchſtens 3 pCt., wogegen allerdings

für die geſammten in einer Wirthſchaft engagirten Capitalien unter Vorausſetzung des Vorhandenſeins eines reichlichen Betriebscapitals 4 oder wohl auch 4 ½ pCt. be⸗ anſprucht werden dürfen, ſofern für den Vorrath des umlaufenden Betriebscapitals, dem in den vorliegenden Berechnungen nur ein Zinsfuß von 6 pCt. eingeräumt wurde, 10 pCt. zugeſtanden werden, wie dies wegen der mannigfachen Gefahren, denen das umlaufende Betriebscapital ausgeſetzt iſt, volkswirthſchaftlich wohl berech⸗ tigt erſcheinen mag. Neben den Zinſen der an dem Wirthſchaftsbetriebe betheiligten Capitalien ſteht dem landwirthſchaftlichen Unternehmer, wie oben ebenfalls ſchon wie⸗ derholt erörtert wurde, noch ein Unternehmerlohn zu, jedoch nur dann, wenn alle für den bezüglichen Betrieb maßgebenden Natur⸗ und Wirthſchaftsgeſetze wenigſtens annähernd befolgt wurden. Ein ſolcher Unternehmerlohn iſt in den vorliegenden Berechnungen nun freilich nur in ſehr wenigen Ausnahmen erzielt worden und die Urſachen hierfür müſſen vorzugsweiſe in den wirthſchaftlichen Fehlern geſucht wer⸗ den, die Seitens der Herren Commiſſäre in den verſchiedenen Betrieben conſtatirt worden ſind. Wie hoch ein Unternehmerlohn in einer Wirthſchaft werden kann, iſt

einestheils abhängig von der Intelligenz des betreffenden Landwirths, anderntheils

von dem Umfange der Wirthſchaft, alſo von dem Grade der Möglichkeit, die Intelli⸗ genz des Unternehmers in der Wirthſchaft zu verwerthen; es können demnach keine beſtimmten Anſprüche dafür feſtgeſetzt werden.

Wenn man erwägt, welche coloſſalen Hülfen in den letzten Decennien der Land⸗ wirthſchaft zu Gebote geſtellt wurden durch die Ausbildung der Culturtechnik, durch die Vervollkommnung der Geräthe und Maſchinen, ſowie durch die Dampfkraft, durch