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von Rindvieh und Schweinen noch gar zu oft gehalten wird, daß z. B. in Nieder⸗Flor⸗ ſtadt unerhörterweiſe die jungen Kühe mit Vorliebe nach dem zweiten Kalben verkauft werden, daß in anderen Orten in dem einen Jahre ein Schwyzer Gemeinde⸗Bulle, in dem andern Jahre ein aus der Kreuzung von Main⸗Neckarvieh und Holländer ent⸗ ſproſſener Faſſel zum Sprunge dient und daß man noch häufig den alten karpfen⸗ rückigen Schweinen vor dem mit engliſchem Blut veredelten Zuchtmaterial den Vorzug gibt, ſo müßte es wahrlich Manna vom Himmel regnen, wenn die Landwirthe unter dem Einfluß ſolcher Mißwirthſchaft nicht ſchließlich zu Grunde gehen ſollen.— Nach der Statiſtik vom Jahre 1873 kamen auf 100 Hectar Acker und Grasland in Starkenburg und Oberheſſen ca. 60, in Rheinheſſen 52 Stück Rindvieh(Groß⸗ und Kleinvieh zuſammen) und der jährliche Milchertrag pro Kuh ſtellte ſich im Durch⸗ ſchnitt in Rheinheſſen auf 1900, in Starkenburg auf ca. 1700 und in Oberheſſen auf 1500 Liter. Zur Deckung des Landesbedürfniſſes, wie ſolches für wirthſchaftlich geſittete Verhältniſſe vorauszuſetzen iſt, müßte nach derſelben Statiſtik entweder die Zahl der Milchkühe(169,588) oder der Milchertrag der Kühe auf das Doppelte ge⸗ ſteigert werden, während der jährliche Bedarf an Fleiſch in Heſſen nach den vorhan⸗ denen ſtatiſtiſchen Zuſammenſtellungen die jährliche Production um ca. 50,000 Centner Rind⸗ und Kalbfleiſch und um 200,000 Centner Schweinefleiſch überſteigt, abgeſehen von der äußerſt geringen Production von Schaffleiſch.— Die großen Mittel, welche ſeitens der landwirthſchaftlichen Vereine mit Hilfe des Staates ſeit länger als 50 Jahren für die Viehzucht verwendet worden ſind, haben hiernach immer noch nicht hingereicht, um die Viehhaltung des Landes auch nur einigermaßen zu befähigen, die Bedürfniſſe desſelben wenigſtens annähernd zu decken und es ſcheint für die land⸗ wirthſchaftlichen Vereine hiernach dringend geboten zu ſein, daß ſie erwägen, wie in Zukunft die Mittel fruchtbarer als bisher für die Viehhaltung und die Viehzucht ge⸗ macht werden können;— der Erlaß einer guten Körordnung wird ſie dabei weſent⸗ lich unterſtützen.
Trotzdem nun aber die Viehhaltung im Lande im großen Ganzen leider immer noch nicht den unſerer Zeit entſprechenden Höhepunkt erreicht hat, fällt dennoch der Schwerpunkt der Geldeinnahmen in allen Wirthſchaften mit ſehr wenigen Ausnahmen in die Einnahme aus dem Viehſtand, wie die Columnen unter 12 zeigen, da die Einnahme aus den Feldproducten, im großen Durchſchnitt wenigſtens, mehr oder weniger erheblich hinter der Einnahme aus dem Viehſtand zurückbleibt, und geht daraus recht deutlich hervor, einen wie geringen Nutzen der in Heſſen ſo ſehr vor⸗ herrſchende Klein⸗ und Mittelbeſitz aus einer Steigerung der Getreidepreiſe zu ziehen vermöchte. Einen viel wichtigeren Einfluß auf die öconomiſche Lage der getreide⸗ bauenden Bevölkerung als eine Erhöhung der Getreidepreiſe würde, wie dies auch in der landwirthſchaftlichen Enquéte des Großherzogthums Baden hervorgehoben iſt, die Befriedigung des Credites zu einem mäßigeren Zinsfuß wie jetzt ſein.
Wenn vielfach die Beſorgniß ausgedrückt wird, daß durch eine Vermehrung der thieriſchen Producte der Preis derſelben bis zur Unrentabilität der Viehhaltung ſinken


