Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
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wie dort, wo der Boden hoch eingeſchätzt iſt, ſo hat dieſe Thatſache hier doch offenbar nichts zu thun mit der Schätzung des Bodenwerthes, ſondern ſie iſt darauf zurückzuführen, daß im Betriebskapital unzweckmäßige Verwendungen vorkamen; denn wo eine Grundrente überhaupt nicht gewonnen wird, iſt die hohe oder niedrige Schätzung des Grundbeſitzes an und für ſich gegenſtandlos. Die Erhebungen deuten aber in dieſer Beziehung ganz zweifellos darauf hin, daß der weit überwiegende Betrag der Schulden in denjenigen Gemeinden, in denen der mittlere Kaufwerth der Grundſtücke ſehr hoch geſchätzt iſt, zu Beſitzausgleichungszwecken contrahirt worden ſein dürfte, daß alſo die Grundpreis⸗Ueberſpannung die Aufbrauchung eines großen Credites bei der Beſitz⸗ erwerbung mit ſich führte, was nothwendig zur Folge haben muß, daß es ſpäter an dem nothwendigen Betriebskapital fehlt, und daß eine Ungunſt äußerer Verhältniſſe ſehr leicht den Zuſammenbruch der Wirthſchaften mit ſich führt. Es geht weiter daraus hervor, daß es ſich bei der heutigen Agrarfrage nicht blos darum handelt, wie die Production der gegenwärtigen Grundbeſitzer lucrativer gemacht werden kann, ſondern vornehmlich auch um das Problem, wie eine volkswirthſchaftlich möglichſt günſtige Beſitz⸗ vertheilung mit mäßigen, dem Ertragswerth der Grundſtücke entſprechenden Kauf⸗ preiſen herbeizuführen iſt(Coloniſirung), und alle Beſtrebungen der Landwirthe, die in blindem Eigennutz blos darauf gerichtet ſind, ſich auf Koſten anderer Erwerbskreiſe augenblickliche finanzielle Vortheile zu verſchaffen, müſſen deßhalb nothwendig an den vor⸗ liegenden thatſächlichen Verhältniſſen zerſchellen. Einen noch fühlbareren Einfluß auf den Arbeitserfolg wie der zu hohe Bodenpreis übt naturgemäß der zu hohe Pachtpreis der Ländereien aus, wie dies beſonders bei Hartershauſen deutlich hervortritt.—

Die Columne 5 zeigt, wie ſehr noch der Obſtbau im Argen liegt, da noch Benenenen manche Güter mit recht günſtigem Obſtbauklima ein auffallend geringes Kapital im Werthe ihrer Obſtbäume beſitzen(Nieder⸗Florſtadt, Fürfeld, Guntersblum, Groß⸗ Rohrheim, Mühlheim) gegenüber andern Gütern mit bei weitem nicht ſo günſtigem Klima(Kirch⸗Brombach, Ober⸗Moſſau, Wenings u. ſ. w.).

Sehr wichtige Aufklärungen über die Urſachen der häufig ganz fehlenden oder Gebäude⸗ äußerſt geringen Grundrente bringt die Columne 6, die den Werth der Gebäude an⸗ rital gibt. Man findet hier, daß der Werth der Gebäude nicht blos im procentiſchen Ver⸗ hältniß zum mittleren Kaufwerth der bewirthſchafteten Grundſtücke, ſondern auch im Verhältniß zum Umfang der Güter und zum Ertrage derſelben ganz ungerechtfertigte Unterſchiede zeigt. In Rodheim hat das kleinere Bauerngut beiſpielsweiſe mehr als noch einmal ſo viel Kapital in den Gebäuden ſtecken, als das gleichgroße correſpon⸗ dirende Gut in Meſſel, und während bei letzterem das Gebäudekapital nur 27 pCt. vom Grundkapital ausmacht, beträgt es bei erſterem 72 pCt. Aehnliche oder noch größere Mißverhältniſſe finden ſich beim Vergleiche der Güter anderer Gemeinden vor, und daß auch bei einem geringen ſogenannten mittleren Kaufwerth der Grundſtücke im Gebirge nicht gerade 60 bis 100 pCt. des Grundkapitals an Gebäuden erforder⸗ lich ſind, wie das z. B. in Burkhards der Fall iſt, ſowie in Hartershauſen und in noch höherem Maße in Nieder⸗Moos, beweiſen unter anderem die Güter in Nieder⸗ Ohmen, Kirch⸗Brombach und auch Wenings.— Pabſt, ein auch in Heſſen bekannter