Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
Seite
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Der Perſonalcredit wird, wie bereits oben geſagt, auf verſchiedene Weiſe be⸗ friedigt. In einer Reihe von Gemeinden(Meſſel, Beuern, Ober⸗Roden, Nieder⸗Ohmen, Ginsheim, Unter⸗Schönmattenwag ꝛc.) geben die Sparkaſſen gegen Bürgſchaft entweder von zwei zahlungsfähigen Bürgen oder von der Gemeinde auf Schuldſchein ihrer Höhe nach begrenzte Beträge, in der Regel bis 300 oder 500 Mark, die beinahe ausnahms⸗ los zu 5 pCt. zu verzinſen und in einigen Jahren zurückzuzahlen ſind; in manchen Gemeinden(z. B. Nieder⸗Ohmen, Unter⸗Schönmattenwag) haben aber neuerdings theils die Verwaltung der Kaſſen, theils die Gemeinden dieſe Art der Kapitalhingabe einge⸗ ſchränkt, da die Forderungen uneinbringlich wurden, oder bekannt wurde, daß die Kapitalien nicht in zweckmäßiger Weiſe verwendet worden waren. Einzelne Spar⸗ und Vorſchußvereine oder Hülfskaſſen u. dgl. geben noch höhere Beträge auf Schuldſcheine mit Bürgſchaft(z. B. Beuern, Mühlheim), laſſen ſich aber unter Umſtänden auch höhere Zinſen vergüten.

In welchem Umfang und zu welchen Bedingungen Private Geld gegen Schuldſcheine gewähren, ließ ſich allerdings mit Sicherheit in keiner Gemeinde conſtatiren; in Habitz⸗ heim, in Burkhards, in Hartershauſen wurde conſtatirt, daß der größte Theil der überhaupt bekannt gewordenen Perſonalſchulden durch Aufnahme bei Privaten ent⸗ ſtanden ſei, da die bekannten Privatinſtitute nur einen ſehr geringen Antheil an den⸗ ſelben hatten, wie z. B. in Burkhards nur von 7400 Mark ſolcher Schulden die Gläubiger bekannt waren, während ſie insgeſammt auf 45,000 Mark geſchätzt waren.

Das Vorkommen wucheriſcher Geldgeſchäfte wird nur in zwei Berichten(Kirch⸗ Brombach und Schwanheim) ausdrücklich verneint; in vielen Berichten iſt derſelben gar nicht erwähnt; in einer Reihe von Gemeinden wird aber auf häufiges Vorkommen ausdrücklich hingewieſen(Burkhards, Zornheim, Beuern, Ruhlkirchen, Hartershauſen, Nieder⸗Florſtadt, Nieder⸗Moos, Wenings und Habitzheim); in Fürfeld und Gunters⸗ blum ſoll der Wucher neuerdings weſentlich abgenommen haben.

Welche Momente das Hervortreten wucheriſcher Geſchäfte zumeiſt begünſtigen, läßt ſich aus den Berichten ſchwer entnehmen; insbeſondere iſt kaum anzuneh⸗ men, daß eine vorwiegende landwirthſchaftliche Produktionsrichtung denſelben gleich⸗ mäßig in den verſchiedenen betreffenden Gemeinden gefördert habe, obwohl nicht zu verkennen iſt, daß gerade in zwei vorwiegend Weinbau treibenden Gemeinden(Zorn⸗ heim und Guntersblum) des Wuchers erwähnt wird. In Wirklichkeit mögen haupt⸗ ſächlich die ärmlichen Verhältniſſe der Bewohner vieler Gemeinden(z. B. Burkhards, Ruhlkirchen, Hartershauſen, Nieder⸗Moos) zu dem häufigen Vorkommen von Wucher Veranlaſſung gegeben haben. Außer durch Viehhandel ſollen wucheriſche Geſchäfte vorzugsweiſe durch Händler mit Frucht, Kleien und durch Hauſirhändler überhaupt veranlaßt werden; von Nieder⸗Florſtadt wird ausdrücklich die Unſitte berichtet, Liefe⸗ ranten aller Art nicht alsbald zu bezahlen, vielmehr immer weiter zu kaufen und Zinſen zu bezahlen, bis der Händler endlich Credit nicht mehr gewährt und für ſeine ganze Forderung hypothekariſche Einſchreibung nimmt.

In zwei Berichten(Burkhards und Nieder⸗Moos) wird in hohem Grade über die Nachtheile des ſog. Einſtellviehs geklagt und insbeſondere von der erſtgenannten