Beſondere
Bodenpreiſe.
Umſatz der Liegen⸗
ſchaften.
unſaſun der bäuerliche Ehrgeiz ſeine Befriedigung mehr in einem ausgedehnten, als in einem
— 32—
Bodenpreiſe auch heute noch faſt durchweg über den Ertragswerth bezw. über die Ausnutzungsfähigkeit der Grundſtücke hinausgehen, ſo kann man die Erklärung dafür nur in der bereits oben wiederholt erörterten Freiheit bei der Erwerbung von Grund⸗ eigenthum finden, und es wird deshalb auch in den Erhebungen von einzelnen Seiten mit einem nicht zu verkennbaren Rechte eine Erſchwerung der Formalitäten beim Uebergang von Liegenſchaften befürwortet;— der in neuerer Zeit mehrfach wieder⸗ holte Antrag, der übrigens auch in einigen Erhebungsberichten Ausdruck findet, auf Herabſetzung der Stempelgebühren beim Grunderwerb ſteht freilich in ſchroffſtem Widerſpruch hiermit; indeß man ſcheint bei dieſen Anträgen zu vergeſſen, daß die Steigerung im Umſatz des mobilen Capitals eine wichtige wirthſchaftliche Aufgabe der Zeit iſt, was hinſichtlich des Umſatzes von Immobilien durchaus nicht anerkannt werden kann.
Eine beſondere Erklärung der hohen Bodenpreiſe iſt auch darin zu ſuchen, daß
vorzüglich bewirthſchafteten, mit reichlichem Betriebscapital ausgeſtatteten Beſitz findet, daher denn auch alle Erſparniſſe anſtatt zu der heute ſo nothwendigen Vermehrung des Betriebscapitals zur Erweiterung des Grundbeſitzes verwendet werden, wobei man auch nicht einmal beſonders ſparſam und vorſichtig zu Werke zu gehen für noth⸗ wendig findet. Zu dieſen Concurrenten beim Erwerbe von Grundbeſitz treten die Inhaber der im Erbtheilungswege zum Beſitz von Wohn⸗ und Oeconomiegebäulich⸗ keiten gelangten kleineren Wirthe, die ſich durch die nicht im Verhältniß zu den vor⸗ handenen Gebäuden ſtehende Ausdehnung des Grundbeſitzes bewogen fühlen, letzteren zu erweitern.
Der Umſatz der Liegenſchaften iſt in den verſchiedenen Erhebungsgemeinden außerordentlich wechſelnd geweſen, je nach den herrſchenden wirthſchaftlichen Verhält⸗ niſſen wie bereits früher erörtert wurde, ohne daß ſich gerade irgendwo andere be⸗ denkliche Erſcheinungen in erhöhtem Maße(Zwangsverſteigerungen)*) gezeigt hätten, als diejenigen ſind, die hinſichtlich der Bewegung des Grundeigenthums überhaupt angedeutet worden ſind. Der Andrang der weniger beſitzenden Bevölkerung auf dem Markte des Grund und Bodens bringt überall die Gefahr mit ſich, daß eine Ueber⸗ völkerung in landwirthſchaftlichen Exiſtenzen entſteht, ohne daß ſie ein Mittel bietet, um die Steigerung des landwirthſchaftlichen Einkommens zu fördern und ſo geht die Bewegung des Grundbeſitzes dahin, daß ſchließlich immer mehr von dem landwirth⸗ ſchaftlichen Einkommen von dem ſogenannten Verkaufswerthe des Grundeigenthums und ſeinem Zuwachs aufgeſogen wird, während gleichzeitig die Grundverſchuldung, namentlich bei dem mittleren und kleinen Grundbeſitz mindeſtens in demſelben Ver⸗ hältniß mit dem Steigen der Bodenpreiſe zunimmt. Wenn dem aber ſo iſt, ſo kann unmöglich durch künſtliche Steigerung der Produktenpreiſe, vielleicht gar durch Ver⸗ ſchlechterung des Geldes der großen Maſſe der landwirthſchafttreibenden Bevölkerung geholfen werden.
*) Bezüglich der Zwangsverſteigerungen ſiehe Tabelle 4.


