6 Der landw. Betrieb 3 und ſeine Mängel.
eingeſchränkt, während doch gerade das Getreide die Düngung mit Stickſtoff, dem bei Weitem koſtſpieligſten Düngſtoffe, am allerwenigſten entbehren kann; das Getreide iſt alſo ein Luxusconſument des koſtſpieligſten Productionsmaterials der Landwirthſchaft und ſchon deshalb iſt ſeine ausgedehnte Production nicht vereinbar mit einer höheren Oeconomie.— Die Futterkräuter haben als Culturpflanzen in allen angeführten Punkten gerade die entgegengeſetzten Eigenſchaften. Sie ſind geeignet Arbeitskräfte zu ſparen und größere Capitalverwendungen in allen Formen zu geſtatten, da ſie eine wiederholte ſtarke Düngung vertragen und auch zur Bewäſſerung geeignet ſind, ohne daß ſie doch eine Düngung mit dem koſtſpieligen Stickſtoff beanſpruchen, trotz⸗ dem ſie reichlich ſtickſtoffhaltige Stoffe produciren; ſie erhalten nicht blos den Humus im Boden, ſondern vermehren ihn noch, ſie halten den Boden rein von Unkräutern, ohne einer wiederholten, koſtſpieligen Feldbearbeitung zu bedürfen. Die Futterkräuter erfüllen mit einem Wort, ebenſo wie die Handelsfrüchte, alle Anſprüche an Cultur⸗ pflanzen, die für eine Gegend und ein Volk von höherer wirthſchaftlicher Entwickelung beſtimmt ſind, und in Verbindung mit der ſich an ſie anſchließenden Viehhaltung ge⸗ währen ſie, wie die Handelsfrüchte, die Möglichkeit der Veredlung der Producte, während der Getreidebau, wo er nicht etwa in ſehr hoher Vervollkommnung ſteht, die roheſte Form des Ackerbaubetriebes iſt und als weſentlicher Selbſtzweck der Wirth⸗ ſchaft mehr und mehr auf Länderſtriche zurückgedrängt werden muß, in denen noch eine extenſive Maſſenproduction ausführbar iſt, die im Raubbau die vorhandenen natürlichen Vorräthe verzehrt, bis eine höhere wirthſchaftliche Entwickelung ihre Rechte fordert.— Das Getreide wird überdies zu relativ um ſo höheren Erträgen befähigt, je mehr es aus der Rolle der Hauptfrucht in die einer Nebenfrucht verſetzt wird und da ſein Anbau, wenn ihm ſein Standort ausſchließlich zwiſchen Futter und Handels⸗ früchten angewieſen iſt, auch weſentlich billiger wird, ſo kann der Getreidebau bei niedrigen Preiſen nur bei derartig öconomiſcher Handhabung unter ſehr ausgewählter Methode lohnend bleiben, während er im anderen Fall in den meiſten Verhältniſſen zur Urſache des Rückganges der Wirthſchaft wird.
Es geht hieraus ganz zweifellos hervor, daß ſich die Lage derjenigen Gemeinden, wo ſich weder Handelsgewächsbau noch Futterbau in höherem Maße ausgebildet haben, wo vielmehr der Getreidebau noch immer die Hauptſtütze der Wirthſchaft ge⸗ blieben iſt— zumal bei den jetzt ſo geſunkenen Getreidepreiſen— immer mehr ver⸗ ſchlechtern muß, wenn nicht etwa durch einen lohnenden Obſt⸗ oder Weinbau einiger Erſatz für den Ausfall an Einnahmen geſchaffen wird. Und wenn es auch in der Landwirthſchaft nicht gerade gerathen erſcheint, ſo zu ſagen alles auf eine Karte zu ſetzen, ſo ſollte doch in heutiger Zeit jeder Landwirth in irgend einem Zweige des Handelsfrucht⸗ oder des Obſtbaues oder auch der Viehhaltung etwas beſonders Her⸗ vorragendes zu leiſten beſorgt ſein, um ſich einen beſſeren Lohn für ſeine Intelligenz zu ſichern, als dies bei dem gewöhnlichen hergebrachten Ackerbau möglich iſt.
Das Haupthinderniß für einen rationellen landw. Betrieb mit mehr oder weniger freier Wirthſchaft der ſich von dem vorwiegenden Getreidebau emancipirt, bildet in faſt allen Erhebungsgemeinden die zerſtückelte Lage der Grundſtücke mit dem häufig


