an Wieſen im Großherzogthum nicht als Urſache dafür angeſehen zu werden braucht, wenn die Rentabilität der Landwirthſchaft keine befriedigende iſt.
Ebenſo wie die Wieſen einestheils der räumlichen Vermehrung, anderntheils der Verbeſſerung in hohem Grade würdig wären, ſollte man unter unſeren heutigen wirth⸗ ſchaftlichen Verhältniſſen auch dem zu Weide geeigneten Lande eine größere Berück⸗ ſichtigung ſchenken, woran freilich leider einestheils die Zerſplitterung der Grundſtücke, anderntheils das Vorurtheil hinderlich iſt, daß die Weide nur einen extenſiven und nicht auch einen höchſt intenſiven Betrieb zuläßt.
Was das Verhältniß des Reblandes zu Acker und Wieſe betrifft, ſo ſcheint das in einzelnen Gemeinden eine Quelle nicht unbedeutender wirthſchaftlicher Uebelſtände zu ſein, indem das Rebland nach günſtigen Weinjahren über die Gebühr ausgedehnt worden iſt und nunmehr an der Dungkraft des Ackers und der Wieſen zehrt, während freilich auch z. B. in Zornheim eine weitere Ausdehnung des Weinbaues vom Com⸗ miſſär angerathen wird. Eine wirthſchaftliche Nothlage der Landwirthe in Folge ausgedehnten Weinbaues iſt aus den Erhebungen nicht zu conſtatiren; indeß entſteht durch ſtarke Ausdehnung des Weinbaues leicht eine gewiſſe Unbeſtändigkeit in der wirthſchaftlichen und finanziellen Lage der Bewohner, welche geeignet iſt, dem Wucher Anhaltspunkte zu bieten.
Die Productionsrichtung iſt von weſentlichem Einfluß auf den Erfolg des landw. Betriebes und damit auch auf die Entwickelung der Wohlhabenheit der ländlichen Bevölkerung. Aus dieſem Grunde erſcheint es in hohem Grade bedauernswerth, daß faſt noch in ganz Heſſen der Getreidebau mehr oder weniger vorwiegend iſt, da letz⸗ terer immer nur zu einer relativ beſchränkten Ausnutzung des Bodens zu führen im Stande iſt.— Sieht man auch ganz ab von dem Handelsfruchtbau, der doch ganz zweifellos mit der ſteigenden Entwickelung der Induſtrie eine immer mehr zunehmende Bedeutung für die Landwirthſchaft gewinnen muß und vergleicht den Getreidebau nur mit dem Futterbau, ſo erblickt man folgendes Bild für den Vergleich beider. Das Getreide kann nur einmal im Jahre geerntet werden und verlangt doch für jede Ernte eine beſondere, meiſt ziemlich koſtſpielige Feldbearbeitung;— eine ſehr ſtarke, im Laufe des Erntejahres öfters wiederholte Düngung iſt ausgeſchloſſen und würde über⸗ dies zum Lagern des Getreides führen, wodurch die Ernte nicht erhöht, ſondern herab⸗ gedrückt wird, die Anwendung culturtechniſcher Mittel, insbeſondere der Bewäſſerung, iſt ſo gut wie unmöglich, eine größere Verwendung von Productionsmaterial, bezw. eine ſehr geſteigerte Benutzung von Capital iſt alſo nicht ausführbar und doch liegt gerade darin bekanntlich der Schwerpunkt unſerer heutigen Productionsaufgaben;— die Erntearbeiten, die an und für ſich zur Vermehrung der Production nichts beitragen, machen einen verhältnißmäßig ſehr großen Theil der Koſten des Getreidebaues aus und doch iſt die Ernte in hohem Grade gefährdet durch äußere Einflüſſe;— der Boden wird beim Getreidebau humusarm und leicht verqueckt, überhaupt verunkrautet. Endlich bleibt beim Getreidebau die Production der wichtigſten und werthvollſten Nährſtoffe für Menſchen und Thiere, die das Agens des ganzen Wirthſchaftsbetriebes ausmachen ſollen— der ſtickſtoffhaltigen Stoffe— innerhalb ſehr enger Grenzen
Produc⸗ tions⸗Rich⸗ tungen.


