Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
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wie der Rückgang aller landw. Exiſtenzen ganz ebenſo wie in anderen Berufsthätig⸗ keiten individuell abgeſtuft ſind und daß ein wirklich allgemeiner Rückgang der Land⸗ wirthe nicht unbedingt zu conſtatiren iſt, wenn auch allerdings zur Zeit mehr landw. Exiſtenzen gefährdet ſein mögen, wie im Intereſſe des volkswirthſchaftlichen Wohles zu wünſchen iſt. Bedenklich mag dabei ſein, daß überhaupt die Einkommenvertheilung im Volke ſich im Allgemeinen nicht zu Gunſten der Landwirthe zu geſtalten ſcheint, was vielleicht mit der Freiheit in der Erwerbung des Grundeigenthums in einem gewiſſen urſächlichen Zuſammenhang ſteht, weil in einem Lande, in welchem die An⸗ ſiedelung beendet iſt, die Nachfrage nach Grundſtücken, namentlich für den Klein⸗ und Mittelbeſitz fortgeſetzt wächſt, bis die daraus hervorgehende Vertheuerung und Ver⸗ ſchuldung der Beſitzungen Kriſen herbeiführt, mit welchen dann auch ein rapider Niedergang der Bodenpreiſe und häufig auch der Bankerott von Grundbeſitzern ver⸗ bunden iſt.

Ein den Wirthſchaftsbetrieb begünſtigendes Verhältniß der verſchiedenen Arten

arten zu des Culturlandes Acker, Wieſen, Weiden, Rebland ꝛc. iſt für den Erfolg der einander. Wirthſchaft ſelbſtredend förderlich, inſofern als derſelbe die Bewirthſchaftung des

Ganzen erleichtert und einen geringeren Anſpruch an die Intelligenz und die Sorg⸗ falt des Wirthſchafters macht; es kann indeß dieſes Verhältniß durch zweckmäßige Maßregeln doch weſentlich ergänzt werden und ein von Natur günſtiges Verhältniß iſt keineswegs durchaus nothwendige Bedingung für das Gedeihen der Wirthſchaften im Allgemeinen. Mit Ausnahme von Rheinheſſen, wo das Wieſenland gegenüber dem Acker derart zurücktritt, daß öfters auf 20 Hectar Ackerland kaum 1 Hectar Wieſen kommen, wo aber trotzdem im großen Durchſchnitt die Rentabilität der Wirth⸗ ſchaften nicht gegen die anderen Provinzen zurückſteht, vielmehr ſogar beſſer iſt, iſt

das Verhältniß zwiſchen Acker und zwiſchen natürlichen Wieſen ein für den Wirth⸗

ſchaftsbetrieb recht förderliches. An einzelnen Orten, z. B. in Rodheim v. d. H., iſt es freilich nur etwa wie 6,6 zu 1, in Nieder⸗Eſchbach ſogar nur wie 10,5 zu 1; da⸗ gegen ſteigt es in dem größeren Theil der Erhebungsorte auf 3 zu 1(Nieder⸗Flor⸗ ſtadt) oder auch auf 2 zu 1(Meſſel), auf 2 zu 3(Nieder⸗Moos) und ſogar auf 1 zu 1,3(Burkhards). Zweifellos könnte in dieſer Beziehung noch vielfach nachgeholfen werden, wenn das Terrain und das Waſſer beſſer ausgenutzt würden, um die Wieſen auf Koſten des Ackerlandes zu vermehren, eine Maßregel, die ſich in heutiger Zeit aus mehr als einer Urſache ſehr dringend empfiehlt und die das in vielen Orten auftretende Dünger⸗Deficit weſentlich verringern würde. Ebenſo würden die Nach⸗ theile unzureichender Wieſenflächen paraliſirt werden können, wenn man den Wieſen auch nur eine ähnliche Sorgfalt zuwenden wollte wie dem Ackerland, indem man namentlich die zur Wieſendüngung geeigneten Materialien überall ſammelte und wirthſchaftlich richtig benutzte. Wenn auch eine Zurückdrängung des Körnerbaues und eine Steigerung des Ackerfutterbaues in den meiſten Orten nicht zu verkennen iſt, ſo würde doch eine weitere Ausdehnung des letzteren den etwaigen Mangel an natürlichen Wieſen vortheilhaft ausgleichen können, ohne die Geſammtproduction zu beeinträchtigen. Im großen Ganzen kann man daher wohl ſagen, daß der Mangel