Druckschrift 
Johann Balthasar Schuppius, ein Vorläufer Speners, / für unsere Zeit dargestellt von Alexander Vial, Pfarrer Extraordinarius und Rector zu Neukirchen in Kurhessen
Entstehung
Seite
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liche Kirche m ihrer Herrlichkeit offenbar werden, dass man bekennen müsste: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen! Ref. möchte darum das Werk eine Arbeit für die Zukunft nennen. Nicht als ob man warten sollte mit der frischen Ausführung der hier gegebenen Li- turgien, welche das häusliche und kirchliche Leben von der Wiege bis zum Grabe in allen Verbältnissen und Einzelheiten umfassen: son- dern weil der Zustand der Haus- und Kirchgemeinde, wie er nach dieser Hausordnung gestaltet ist, jedenfalls ein herrliches Ziel ist, das betend und kämpfend erst erstrebt werden muss: Es hat Etwas lief Demütbigendes, wenn man nach der Durchsicht des köstlichen Werkes, die unwillkührlich aus der kritischen Nüchternheit in die Mitanbetung hinreisst, sich sagen muss: In wie vielen Häusern wird die Ausführung dieser Andachtsordnungen möglich sein? Ach wie weit ist die Kirche Gottes hinter ihrer hohen Bestimmung zurückgeblieben! Ihr lieben Brüder im geistlichen Amte, hier habt ihr ein Buch der innern Mission, nehmt es zur Hand und richtet eure Hauskirche ein zum Vorbilde aller Hausväter eurer Gemeinde. Wenn je in der Ordnung ein Segen ist, hier kann er nicht ausbleiben. Ihr könnt überdies für Wochengottes- dienste, liturgische Casualandachten u. dergl. kaum etwas in der Lite- ratur finden, was dieser reichen Schatzkammer gleich käme. Ref. ent- hält sich der Aufzählung der gegebenen Reichthümer; eine solche würde den Raum für eine Anzeige überschreiten. Er wünscht viel- mehr, dass jeder der theuren Leser nicht säume, das Buch sich anzu- schaffen. Dem Verfasser aber drückt er die Bruderhand und wünscht den ganzen Segen auf sein Haupt und Haus, den der HErr auf diese Arbeit sicherlich legen wird.

Dieffenbach, G. Chr., Kinderlieder(Original-Gedichte.) Mit einem Titelbild, Mutterliebe darstellend, gezeichnet und ra- dirt von J. B. Scholl. Lexicon 8. geb. fl. 1. 30 kr. oder 27 Naer.

Wenn, wie schon Horatius lehrt, die Gabe des Liedes nicht Jeder- manns Ding ist, so ist es sicherlich noch viel weniger die Gabe des Kinderliedes. Nur ein kindliches Gemüth. das zugleich stark und fest genug ist, um durch die schwere Noth und den bittern Ernst des Le- bens hindurch die Harmlosigkeit und Einfalt, die anspruchlose Treu- herzigkeit und Naivität und jene liebenswürdige Empfänglichkeit, welche dem Kiadesalter eigen ist, hindurchzuretten, nur ein solches Ge- mülh kann eine Stätte sein, wo der Quell kindlicher Poesie sprudeln mag. Solch eine Kindesnatur war Robert Reinick, dessen Wahlspruch war:vor Menschen sei ein Mann, vor Gotft ein Kind; eine solche Kindesnatur war auch W. Hey, der Fabeldichter der Kinder und, wenn wir weiter zurückblicken, Friedrich Rückert, welcher der Jugend von dem Bäumlein zu erzählen wusste, das spazieren ging und andre Blätter gewollt hat.

Dass in unserer tendenziösen, eilenden, haschenden, durch materielle Noth und materiellen Erwerb prosaisch gestalteten Zeit Jemand Kinder- lieder dichten und singen könnte, wie sie uns Dieffenbach hier bietet, das hätte man fast für unglanblich halten mögen. Doch das war wohl nur in der friedlichen Stille und dem lieblichen Waldesdunkel des Odenwaldes möglich, wo die Stimme des Sängers durch das Toben und Lärmen des Weligetriebes nicht gestört ward! Willkommen sei uns der Gesang dieses Sängers, er ist es werth, dass wir, falls der Kindes- sinn uns nicht ganz abhanden gekommen ist, ihm lauschen und uns in