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von Herman Haupt
Das mit einem reichen Schmucke von Marmorsäulen, Wand- reliefs und kunstvoll verglasten Fenstern ausgestattete Treppenhaus — die Bildhauerarbeiten sind von Professor Varnesi in Frankfurt am Main geschaffen— führt zum Obergeschofs des Verwaltungs- baus, wo zwischen den beiden Türen des Lesesaals in Verbindung mit einem Wandbrunnen dem Freiherrn Renatus Carl von Senckenberg († 1800) eine Gedenktafel für seine der Bibliothek zugewandte reiche Stiftung errichtet worden ist. Auf einer zweiten Marmortafel ist eine Reihe weiterer Namen verzeichnet, deren Träger„sich in besonderer Weise um die Universitätsbibliothek verdient gemacht haben“. Die ganze Vorderfront des Obergeschosses wird von dem 185 qm groſsen und 8 m hohen Lesesaale eingenommen, der, nach NNO gelegen, sein Licht von drei Seiten empfängt. Zur Zeit enthält er 50 Arbeitsplätze, die sich bei späterer Vermehrung der Tische auf 80 Plätze bringen lassen. Der Raum für einen aufsichtsführenden Beamten und Diener und für die Bücherausgabe befindet sich an der Eingangsseite und ist durch eine halbkreisförmige Schranke umschlossen. Von den rechts und links von der Schranke befindlichen Türen dient die eine aus- schliefslich als Eingang, die andere nur als Ausgang, wodurch die Aufsicht wesentlich erleichtert wird. Die Handbibliothek des Lesesaals ist zum Teil an den Wänden, zum Teil auf der der Eingangsseite vorgelegten Galerie aus Eichenholz aufgestellt; mit dieser Galerie steht diejenige des anstoſsenden Zeitschriftenzimmers in direkter Verbindung. Das gesamte Holzwerk der Wandgestelle, Wandtäfelungen, der Galerie und Möbel ist schwarzbraun gebeizt, die prächtigen Schnitzereien an den Säulen, Galeriefüllungen und dem Aufsatz für die oberhalb der Galerie angebrachte groſse Wanduhr sind durch eine matte Vergoldung gehoben. Die Glasmalerei der gewaltigen Fenster, nach Entwürfen von Kunstmaler Bernhard Wenig in Hanau ausgeführt, ist in blauen und grünen Tönen gehalten, in bläulicher Tönung auch das Linoleum, die Pergamoidbezüge der Stühle, die Schreibunterlagen, Zettelkästen usw. Einen besonderen Schmuck hat der Lesesaal durch den als Bekrönung des groſsen Mittelfensters angebrachten, von dem Bildhauer Habich in Darmstadt geschaffenen Idealkopf erhalten, den man als Genius der Wissenschaft deuten mag. Die Tagesbeleuchtung des Lesesaals ge- schieht durch Seitenlicht, die künstliche Beleuchtung erfolgt durch zwölf an einem Kronleuchter vereinigte Osmiumlampen; die Arbeits- plätze werden aufserdem durch doppelarmige elektrische Tischlampen (mit Stromzuführung vom Fuſsboden aus), die Wandbüchergestelle durch einzeln schaltbare elektrische Lampen beleuchtet.
Einen eigenartigen Gegensatz zu dem feierlichen und ernsten Charakter des Lesesaals bildet das anstofsende, 80 qm groſse Zeit- schriftenzimmer, dessen Eichenmöbel in gelbem Tone gehalten sind; der Linoleumbelag, die Bezüge der Stühle und sonstigen kleinen Aus- stattungsgegenstände sind rot, die eiserne Galerie weiſs mit rot durch- setzt, die Wände zeigen mattgelbe Färbung. Von der neuerdings mehrfach empfohlenen Auslegung der Zeitschriften auf nach vorne ge-


