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Der Neubau der Universitätsbibliothek zu Giessen / [von Herman Haupt]
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Zentralblatt

Bibliothekswesen. TXII. Jahrgang. 4. u. 5. Heft. April-Mai 905

Der Neubau der Universitätsbibliothek zu Gieſsen.

Dies Bestände der Universitätsbibliothek zu Gielsen, zu der Land- graf Ludwig V. wenige Jahre nach der Gründung der Universität(1607) den Grundstock gelegt hatte, waren über zwei Jahrhunderte hindurch im alten Kollegienhause am Brandplatz(jetzt Landgraf Philipps-Platz) untergebracht gewesen. Zu Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahr- hunderts siedelte die Bibliothek in die durch die Verlegung der Garnison frei gewordene Kaserne auf dem Seltersberge über, in welches Gebäude sie sich fünf Jahrzehnte hindurch mit den Kliniken teilte. Als das auf der Stelle der ältesten Aula zu Anfang der dreiſsiger Jahre er- richtete Kollegienhaus auf dem Landgraf Philipps-Platz im Jahre 1878 von der Universität verlassen worden war, kehrte die Universitäts- bibliothek 1880 wieder zu ihrer alten Heimstätte zurück. Aber schon nach wenigen Jahren erwiesen sich die Räume des alten Kollegien- hauses als zu enge für das stetige Wachstum der Anstalt, deren Um- fang von 1300 Bänden im Jahre 1628 auf 200 687 Bände, 82 256 kleine Schriften und 1500 Handschriften im Jahre 1904 gestiegen war. Der von den Landständen bereits genehmigte Plan, dem eingetretenen Notstand durch die Errichtung eines Anbaues auf dem Gelände des botanischen Gartens zu steuern, wurde infolge der von dem Biblio- theksvorstand erhobenen Bedenken wieder aufgegeben. Im Jahre 1899 wurde in der nächsten Nähe des neuen Kollegienhauses ein Bauplatz erworben, im August 1901 geschah der erste Spatenstich; am 12. Novbr. 1904, dem Tage der akademischen Gedächtnisfeier der Geburt Philipps des Groſsmütigen, konnte in Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit des Groſsherzogs, des gesamten Ministeriums und von Abordnungen der Ständekammern die Einweihung des nach den Entwürfen und unter der Leitung des Groſsherzogl. Hessischen Bauinspektors August Becker erstandenen Neubaus erfolgen.

Für die Gesamtanlage des Gebäudes war die Eigenart des spitz- winkelig zulaufenden Bauplatzes von wesentlichem Einflusse. Der zweigeschossige Verwaltungsbau ist mit einer verhältnismäſsig schmalen Front nach der Stephanstraſse gerichtet und verläuft nach rückwärts in zwei Flügeln, die zusammen mit dem nach Süden sich anreihenden Bücherhause einen Lichthof umschliefsen. Mit Bedacht hat man davon

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