166 Der Neubau der Universitätsbibliothek zu Gielsen
neigten Brettern ist um deswillen abgesehen worden, weil man be- absichtigte, möglichst alle im Besitz der Bibliothek befindlichen Zeit- schriften und namentlich auch die zahlreichen Periodica allgemein benutzbar zu machen, die der Bibliothek durch den Tauschverkehr der verschiedenen Gieſsener gelehrten Gesellschaften zugehen. Indem die sämtlichen Wandflächen mit Zeitschriftengestellen bis zur Höhe von 2,30 m versehen wurden, ist es möglich geworden, etwa 1200 Zeitschriften auszulegen. Die einzelnen Hefte liegen auf Pappen, die auf der Vorderseite nach unten umgebogen sind und auf den durch einen Leinwandfalz geschützten herabhängenden Streifen von 3 cm Breite und 27 cm Länge für die Aufschrift des Titels der Zeitschriften Raum bieten. Ein in Vorbereitung befindlicher gedruckter Zeitschriften- katalog wird es ermöglichen, diese lose liegenden, jederzeit auswechsel- baren Unterlagen mit gedruckten Titelbezeichnungen zu versehen. Eine Wandleiste dient aufserdem zum Aufhängen einer Anzahl von Tages- und Wochenzeitschriften, die in Zeitungshalter eingespannt sind. Im Zeitschriftensaal konnten 30 Sitzplätze eingerichtet werden. Die künst- liche Beleuchtung des Zeitschriftensaals sowohl als des gröſsten Teils der Beamtenräume geschieht aus Sparsamkeitsrücksichten durch Gaslicht. Doch ist jeder dieser Räume aufserdem noch mit elektrischer Beleuchtung versehen. Auch für die Gang- und Treppenbeleuchtung ist neben einer Reihe elektrischer Lampen— das Treppenhaus schmückt ein künstlerisch ausgeführter, für Nernstlicht eingerichteter Kandelaber— zugleich Gaslicht im Gebrauche. Ausschlieſslich elektrisch beleuchtet werden die Räume des Erd- und Kellergeschosses und das Bücherhaus. Die Räume des Obergeschosses(abgeschen vom Lesesaal) haben eine Höhe von 4,65 m i. L. erhalten.
An das Zeitschriftenzimmer schlieſst sich nach rückwärts die Kleider- ablage und der Herrenabort an, alsdann die 61 qm groſse Ausleihe, die durch eine als Beamtengarderobe dienende Galerie mit dem jenseits des Hofes liegenden Katalogzimmer verbunden ist. In der Ausleihe werden die Arbeitsplätze der Beamten von dem Benutzerraum durch eine die ganze Länge des Zimmers durchquerende breite Schranke getrennt, die zugleich zur Aufnahme der auszugebenden und zurück- genommenen Werke bestimmt ist. Wie die sämtlichen Auflagebretter dieser Schranke ausziehbar sind, so ist auch das zunächst dem Platze des Ausleihbeamten befindliche Wandgestell auf Rollen gesetzt, um bei lebhafterem Geschäftsgang sich leicht an die Schranke heranschieben zu lassen.— Im Katalogzimmer(66 qm) sind die Zettelkataloge der Bibliothek in den im Jahre 1885 auf Veranlassung des Schreibers dieser Zeilen hergestellten„Gieſsener Katalogkapseln“ mit beweg- licher Vorder- und Rückwand untergebracht, die im Laufe der Jahre an einer Reihe von deutschen und auſserdeutschen Bibliotheken Ver- breitung gefunden haben. ¹) Durch eine Zettelstütze, welche das Ver-
1) Vgl. Zbl. f. Bw. Jg. 3. 1886. S. 20 ff. Im ganzen sind nach den Mit- teilungen des Verfertigers der Kapseln J. P. Sann in Gielsen zur Zeit 13 500


