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und ſagt ihnen, ich ſei ein Linar und werde mein Wort halten, ob ich's gleich dem Feinde gegeben. Sagt ihnen, daß ich ſie wieder ſehen werde. Lieber will ich von der Fahne deſertiren, die unſerer Tyrannen Zeichen iſt, und ſomit der Ty⸗ rannei insgeſammt den Eid brechen, als einem Einzelnen, mir freundlich Geſinn— ten, mein Wort, und wenn deſſen Erfüllung mein Tod wäre!“— Ohne ſich aufhalten zu laſſen, lief er von dannen und der Seeſtadt zu, wo ſein Kerker und ſeine Blut bühne ſtanden.
Wenn unterwegs dann und wann niederſchlagende Gedanken den Pilger zum Tode mit ſcharfen Krallen pakten, ſo verſcheuchte er ſie mit den Worten:„Ich habe recht gethan; ich werde ein edler Märtyrer ſein!“ Hin und wieder tröſtete ihn auch Hortenſens Liebe.„Sie wird für mich beten, mich als einen Heiligen verehren“, ſagte er alsdann. Nicht ſelten wagte auch die Hoffnung ein überra— ſchendes Wort hineinzureden:„Du biſt ja noch nicht verdammt zum Tode. Auch vor jenem Gericht ſind ſchon Beklagte freigeſprochen worden.“— Der Scherz ſogar rührte ein paarmal die Zunge, indem er übermüthig ausrief:„Hab' ich nicht den Pabſt zum Vetter? Iſt nicht der Ankläger ſelbſt mein ſtiller Freund und Gönner? Muth alſo, und du wirſt leben!“— Dennoch wurde der arme Wanderer immer einſylbiger, je näher ihm die Vaſtionen der Stadt traten. Es war am Abend des achten Tages, als Amédeér ſtumm und ſchwankenden Schrit— tes heimkehrte in die Höhle des Löwen.— Am Paradeplaz vorübergehend, blin— zelte er nach der hoch aufgerichteten Guillotine, die mit brutaler Barbarei dort prunkte, wie eines Mörders Denkmal. Er ſchauderte, und faſt verſiegten ſeine Kräfte, da er die Stufen des Rathhauſes erklomm.— Der Weg zu dem Vu— reau des Nepräſentanten war ihm bekannt; Licht ſchimmerte durch die Fenſter; ohne zu klopfen, öffnete Amedée die Thüre.„Da bin ich, und mein Wort iſt gelöſt“, ſagte er mit lauter Stimme; er mußte ſich jedoch alsbald ſezen, denn ſeine einknikenden Beine trugen ihn kaum.—„Linar!“ rief der Konventsdepu— dirte aufſchauend, und ſprang, die Thüre zu verriegeln.„Er kömmt wieder? der Unbeſonnene!“ fragte ein Anderer, der ſein langes, bleiches, adlernaſiges Geſicht über die Kerzenflammen nach dem Ankömmling ſtrekte.—„Warum ſollte ich nicht?“ fragte Linar;„habt Ihr mein Wort für ein Spiel gehalten?“
„Unglüklicher!“ fuhr ihn der Nepräſentant mit gedämpfter Stimme an; „hat dich Jemand geſehen?“—„Keine Seele.“—„Gott ſei Dank! Wir müſ— ſen ihn fortſchaffen, Bürger Ankläger.“—„Ja wohl, ja wohl; der junge Eh— renfanatiker könnte leichtlich uns ſelbſt vor die Schranken bringen.“—„Fort— ſchaffen in den Kerker? deswegen bin ich da“, entgegnete Améedee.—„Warum nicht gar!“ lachte der Ankläger.—„Was willſt du denn noch hier?“ ſprach der Deputirte zum Marquis und ſchüttelte ihn bei den Schultern.„Du biſt ja todt, todt und begraben! Geh' hin zu den Schatten, geh' geſchwinde!“— „Ihr zeigt mir gerade, daß ich noch lebe, denn meine Achſeln ſchmerzen mich. Endet aber das loſe Spiel und laßt mich in den Kerker bringen zu den Karme— litern, wohin ich den Weg nicht weiß. Da, Herr, habt Ihr auch das Geld für den armen Teufel, der ſtatt meiner auf dem Poſten geblieben iſt.“—„Stek' ein das Geld!“ erwiderte der Konventsmann;„der Andere hat's nimmer nö— thig.“— Linar ſtuzte und ſtammelte ein:„Wie ſo?“— Der Ankläger machte an ſeinem eigenen Halſe die Demonſtration des Köpfens.—„Mein Gott! hin⸗ gerichtet?“ ſeufzte, ſchier zuſammenſinkend, der Marquis;„wie konnte das ge⸗


