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ſchehen?“—„Ganz einfach“, war des Repräſentanten Antwort.„Die Befehle des Konvents kamen an, waren ſtreng und gemeſſen, verlangten ein großes Exem— pel: auf drei Fournces ſollten die Kerker leer ſein— der Marquis von Linar mußte daran glauben, wie die Andern.“—„Wie die Andern? Wie iſt mir denn? Gaben Sie nicht Ihr Wort?“— Der Repräſentant lächelte fein:„Ihn frei zu laſſen, ſobald Sie wieder kämen. Kann ich für die Ereigniſſe, die ihn hinriſſen, ehe Sie wieder auftraten?“
Linar betrachtete bald den Redenden, bald den Schweigenden.„Das iſt gar nicht möglich,“ ſagte er alsdann verduzt,„das iſt ein Mährchen!“— Der Ankläger lachte, indem er das Wort nahm.„So dachte der Schluker auch und wollte ſeinen Namen und ein ſelbſterfundenes Mährchen auskramen; aber wir bei Gericht haben unſere Mittel. Ich donnerte ihn als einen Lügner nieder und drohte, ihn knebeln zu laſſen. Alsdann, um ihm zu beweiſen, daß er nicht un— reif ſei, durch's republikaniſche Fenſter zu ſteken, ſagte ich ihm nur daß ein gewiffer Griſot des Todſchlags an dem Patrioten Hugues äußerſt verdächtig ſei; und ſiehe, er ſenkte das Haupt und ſein bös Gewiſſen ſagte ihm:„Schweige!““ So wurde er verurtheilt, der gewähnt hatte, im Gefängniſſe als ein Vagabund ganz ſicher zu ſein, während die Beweiſe ſeiner blutigen Schuld plözlich in meine Hände gelangt waren. Was er auf dem Wege zum Richtplaze eitel vorgebracht und in's Volk geſchrieen, ging unter in dem Geheul der Vierzig, die den Mord— burſchen begleiteten. Jezt haſt du gehört, was du hören mußteſt, und mache dich nun eiligſt davon, daß wir für unſern guten Willen nicht in Verlegenheit gerathen. Wer zum Teufel hätte auch gedacht, daß du wiederkommen würdeſt?““ — Linar ſchaute den Repräſentanten mit großen Augen an.„Haben auch Sie das nicht geglaubt?“ fragte er langſam; und mit Höflichkeit entgegnete Jener: „Aufrichtig geſagt, nicht ſo ganz.“— Amedeée warf ihm einen Blik des Vor— wurfs zu und verſezte:„So habe ich mich dennoch in Ihnen geirrt, wie Sie ſich in mir irrten. Ich gehe freilich, um nicht ein Thor zu ſein, nach Ihrem Wunſche von dannen. Erwarten Sie aber keinen Dank von mir, mein Herr, keinen andern wenigſtens, als den ein gleichgiltiger Bettler für ein hingeworfe— nes Almoſen ſpendet.“—„Sie ſind ein Kind,“ ſcherzte der Repräſentant; „aber im Ernſt: gehen Sie; mit Gelde verſehen, werden Sie unſchwer nach einer engliſchen Inſel entkommen. Kehren Sie nicht mehr nach Frankreich zurük. Für ihre Grundſäze iſt hier der Ort nicht, und gut wird es ſein, wenn Ihre ganze Familie jezt ſchon den franzöſiſchen Boden geräumt hat; denn in dieſem Augenblik ſind von der öffentlichen Waffenmacht alle Edelſize Ihrer Gegend um— zingelt und die Eigenthümer in Haft gebracht.“ Linar griff wie ein Taumelnder nach ſeiner Müze. Im Gehen wendete er ſich noch einmal nach den beiden Ge⸗ waltigen um, die ihm lächelnd nachſahen, ſtrekte beide Hände gen Himmel und rief:„O mein Gott! bin ich nicht rein vom Blute des Armen, deſſen Leichen⸗ tuch mein Name war? Und wenn er tauſendmal des alten Hugues Mörder ge— weſen, ſo war es dennoch empörend, ungerecht, ihn für mich in den Tod zu ſtoßen. Auf euch ſein Blut, nicht auf mich! auf euch Allen!“
Mit dieſer Schrekensprophe zeihung auf den Lippen, ſtürzte der von der plözlichen Wendung ſeines Schikſals übermannte Linar aus dem Zimmer und floh ungeſäumt aus der Stadt. Später iſt er allerdings wieder zur gehörigen Faſſung gelangt, und vermittelſt ber Hilfe eines Schleichhändlers nach Guernſey,


