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Es macht einen eigenen Effekt, wenn der Operateur mit leiſer Stimme ſagt: „Jezt ziehe ich die Haut ab;— ich ſenke das Meſſer in die Bruſt; ich zer— ſchneide den Kopf, jezt ſchäle ich die Muskeln heraus;— ich leere den Ma⸗ gen aus;— jezt wollen wir das Ge— birn des Cadavers analyſiren!“— wobei die Damen, immer der Operation fol— gend, Eis genießen, Orgeade trinken und kleine Kuchen eſſen. Von Zeit zu Zeit wird die anatomiſche Vorleſung durch Muſik unterbrochen. Am Ende der Soiree iſt der Menſch von Kopf bis zum Fuß analiſirt, es iſt nichts übrig geblieben als das Skelett, und die Ge— ſellſchaft, zufrieden mit dem, was ſie gehört und geſehen hat, zieht ſich zu— rük.— Paganini hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Da er ſich weigerte, die Tröſtungen der Religion nachzuſu— chen(nach Einigen, weil er den Tod nicht ſo nahe glaubte), verſagte ihm der Biſchof von Nizza ein Begräbniß nach katholiſchem Ritus; nach einigen fruchtloſen Unterhandlungen mit den Freunden des Verſtorbenen wurde be— ſchloſſen, die Leiche nach Genua zu brin— gen. Es ſteht nun dahin, was die dor— tige Geiſtlichkeit thun wird.
St. Petersburg. Unter den vielen Theebuden in St. Petersburg be— hauptet die Handelsfirma der Gebrüder Tſchaplin den Vorrang. Denn nicht al— lein kann man dort die feinſten Gattun— gen Karavanen-Thee erſtehen, ſondern dieſe Herren beſizen auch einen großen Vorrath von cineſiſchem Porzellan in allen erdenklichen Formen. Auch gehen ihnen oft chineſiſche Seidenzeuge ein, die an Pracht und Koſtbarkeit ihres Gleichen ſuchen. Im verwichenen Som— mer erhielten ſie ein Stük ſolches koſt— baren, von Gold und Silber durchwirk— ten Kleiderſtoffes. Der Kaiſerin gefiel dieſes Zeug, aber der Preis deſſelben: 280 Rubel Papier(90 Thaler) für die
Arſchine ſchien zu hoch angeſezt zu ſein. Später wollte die Monarchin davon ei— nige Ellen ankaufen laſſen, erhielt aber die Nachricht, daß das ganze Stük die— ſes Zeuges an die Frau eines Bankiers bereits verkauft wäre.— In dem Ge— wölbe der gedachten Handlung ſind wun— derſchöne, von chineſiſchen Künſtlern aus Elfenbein gearbeitete Gegenſtände zu haben, und man muß bewundern, daß die Bewohner des himmliſchen Reiches, in der Gewerbthätigkeit ſo weit vorge— ſchritten, dennoch in der Länderkunde ſo unwiſſend ſind. Sie glauben nämlich, daß Rußland weit entfernter von der chineſiſchen Grenze liege, als die britti⸗ ſchen Inſeln. Ihre Kalender zählen, wie vor tauſend Jahren, noch jezt glük— liche oder unglükliche Tage und Stun— den. Die Chineſen lieben über alle Ma— ßen das Zierliche. Die Kaſten des fein— ſten Karavanen-Thees ſind oft ſchön la— kirt und mit künſtlich ausgeführten Ge— mälden verſehen; denn die chineſiſchen Damen bewahren ſtets ihren Thee, nicht, wie die unſrigen, in Blechdoſen, ſon— dern in dieſen mit Blei ausgefütterten Kaſten, welche bei einem Theegelage gleichfalls paradiren. Manche Sorten, wie Kaiſerthee, würden zu billigen Prei— ſen zu kaufen ſein, wenn nicht die zier— liche Hülle ſchon eine bedeutende Aus— lage erforderte. Merkwürdig iſt's, daß die Chineſen nur von ſchwarzem Thee abgezogenes Theewaſſer trinken; die grü— nen Sorten verabſcheuen ſie und nennen ſie Gift, das ſie den Barbaren zu ge— nießen überlaſſen. Auch iſt er, beſonders für hyſteriſche Frauenzimmer, wirklich ſehr ſchädlich. In England, wo die Thee— manie herrſcht, hat man die ſchädlichen Wirkungen des gemiſchten Thee's da— durch zu hemmen verſucht, daß man in das Waſſer, bevor es kocht, einige Thee— löffel Salz hineinſchüttet.
Leipzig. Hier hat in dieſen Ta⸗
gen ein ſonderbares Begebniß ſtaͤtt ge⸗


