Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
406
 
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406

unſere treffliche Dilettantin, Fräulein Bertha Weiſer, in einem Flöten konzert und Hr. Wurda(Bruder des bekannten Sängers) in einer italieni ſchen Arie hören. Die Erſtere wußte ſich durch ihr gefühl- und aus druksvol les Spiel die vollſte u. gerechteſte An erkennung zu erwerben. Ernſt reiſte Tags darauf nach Wien ab.

Literatur.

Gedichte von Jo h. Langer. Neue Folge. Zwei Theile. Wien bei Tendler u. Schä⸗ fer. 1840.(Peſth, zu haben in Hartlebens Buchhandlung.)

Der Name des Verf. hat in der li terariſchen Welt bereits einen ſo guten Klang, daß wir uns jeder weitern An empfehlung überhoben glauben. Sein poetiſches Talent zeichnet ſich durch ge müthliche Einfachheit, herzliche warme Empfindungen, und da wo er heiter ſein will durch oft muthwillige, je doch nie verlezende Laune aus. Veach tenswerth iſt Langer auch als Gelegen heitsdichter, die in dieſen beiden Thei len häufigen Proben erheben ſich über das gewöhnliche Reimgeklingel, aus wel⸗ chem nur zu oft die affektirte Herzlich keit hervorgukt. Er behandelt ſeinen Stoff ſinnig und weiß ihm immer eine intereſſante Seite abzugewinnen. Auch den Balladenton ſchlägt Langer mit ſicherer Gewandtheit an, wie z. B. imBettelknaben von Luzern,das Pagenbette,die Schäze der Mutter, der arme Flötenſpieler u. ſ. w. Die Form iſt durchaus gefällig, ungezwun gen, die Verſe leicht und fließend. Zu wünſchen wäre nach meiner Meinung, daß dieſe Gedichte nach ihrer Charakte riſtik geordnet wären. Die äußere Aus ſtattung iſt recht nett; das dem erſten Theile beigefügte Portrait des Verf's. von Kriehubers Meiſterſtand, iſt ſehr ähnlich. Semper idem.

Literariſches Portfolio. In dem deutſchen Muſenalmanach für

1840 leſen wir ein draſtiſches Gedicht von Hoffmann v. Fallersleben, das wir hier mittheilen; es betitelt ſich:Maus- käzchen.

Mauskäzchen gab ein großes Feſt Und hatte dazu geladen Bekannt' u. Verwandte von Oſt u. Weſt Und lauter Ihro Gnaden.

Miau Miau Miau.

Sie trieben vielerlei Voſſen u. Scherz Und füllten ſich weidlich den Nonzen, Und weil es nun eben war im März, So wollten die Käzelein tanzen.

Miau Miau Miau.

Doch alle die gnädigen Käzelein, Die gnädigen Kater und Kazen,

Die konnten nichts als miauen u. ſchrei'n, Und ſchluchzen und pfuchzen u. pfnazen. Miau Miau Miau.

Maus käzchen ſchikt nach dem Pudel hin, Der konnte das Hakebrett ſchlagen, Der ſollte ſo was nach ihrem Sinn Auf dem Hakebrett vortragen.

Miau Miau Miau.

Der Pudel war ein geſcheidter Mann, Eine bürgerliche Canaille:

Was gebt mich Dero Geſellſchaft an, Ew. Gnaden Kazengebalge? Wau Wau Wau.

Mignon-Zeitung.

Potpourri aus Paris. In Paris gibt es jezt Sektions-Soi reen. In einem geſchmak voll dekorirten Salon, wo die glänzendſte Geſellſchaft darunter natürlich junge Damen verſammelt iſt, wird nach einem Mu ſikſtük, das irgend ein berühmter Künſt ler ausgeführt, ein Cadaver auf den Tiſch gelegt und zum Vergnügen der Geſellſchaft nach allen Regeln der Kunſt zerlegt. Zum Glük iſt dieſer Cadaver nur ein Gliedermann, ein Meiſterwerk der Kunſt. Dieſe Puppen, die ſich allen Launen des Skalpells willig fügen, hat der Doktor Auzou erfunden und ver kauft ſie für 1000 Frks. oder für 1000 Thaler, je nach der Vollkommenheit des Werkes. Sie werden ſtark verkauft u. beſonders in die warmen Länder ge ſchikt, wo die Cadaver ſchnell verweſen.