Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
405
 
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ler'sWallenſtein langweilig u. amu ſirt ſich bei dem Birchpfeiffer'ſchenHin ko, man gähnt in Weber'sOberon und jubelt, wennRitter zu Pferde auf dem Theaterzettel mit großen Let⸗ tern annoncirt ſind, kommen dann noch Zigeuner oder etwa gar ein dreſſirter Hund vor, ſo erſchallt lärmendes Fo rarufen von den Gallerien und der Jan⸗ bagel poltert und tobt, möchte wohl auch gerne Kränze werfen und Schnupf⸗ tücher zerreißen, wenn er nur gleich welche bei der Hand hätte. Doch werft dem Hunde des Herrn Fenzl ja keine Kränze, einige Schnizeln Roſtbraten dürften dieſem Kunſtjünger beſſer beha gen. Doch Scherz bei Seite! Fenzll zeigte ſich auch hier als ſinniger Arrangeur, ſeine Gruppirungen und Tableaux ver⸗ rathen eine gewiſſe Genialität in der Anordnung und geben die effektvollſten Bilder. So geſtaltete ſich das Sieges fi⸗ nale recht prachtvoll und das Schluß tableau bei bengaliſchem Feuer(nie ohne dieſes!) bot eine reizende Augenweide. Die Tänze der kleinen Fenzl fanden wieder ſtürmiſchen Beifall; auch Herr Fenzl bewies in der Titelrolle ſein tüch⸗ tiges mimiſches Talent, der Sturz vom Felſen gehört zu den ſchwierigſten gym naſtiſchen Produktionen. Die Aufnahme des Ganzen war ſehr günſtig. Am 22. b. M. erſchien Demoiſ. Vial als Norma zum erſten Mal auf der deut⸗ ſchen Bühne, und wurde nach ihrer er⸗ ſten Arie dreimal gerufen. Ueber den Werth ihrer Leiſtung nächſtens Näheres. Zugleich gab ein Hr. Schott den Oro viſt ohne beſondere Theilnahme. Semper idem. Ofen.(Arena⸗ Benefiz der Olle. Nevie.) Die mit Recht ſo be⸗ liebte Lokalſängerin wählte hiezu eine neue Poſſe von Friedr. Blum:Tand lerin, Marquis und Schuſter, oder: der beſtrafte Ehrgeiz, eine Novität, die dem Kritiker, der nachſichtsvoll ein

Auge zudrüken will, immerhin genügen kann. Die einfache Handlung ſchreitet geregelt vorwärts, das alte Thema: Hochmuth kommt zum Falle, behan⸗ delnd, und wenn hier ſtatt einigen lang weiligen Epiſodenſzenen ein Paar wi⸗ zige Couplets eingeflochten würden, ſo dürfte das Ganze um Vieles gewinnen. In der Anlage verräth ſich ein beach⸗ tenswerthes Talent, das, wenn gleich nicht originell auftretend und ſich einen eigenen Weg bahnend, doch mit Glük Manieren nachzubilden verſteht. Die Piece ward mit vieler Luſt und Präzi⸗ ſion geſpielt, vorzugweiſe gilt dies von der Benefiziantin, dann den Herren Seydl und Nit ſch. Olle. Revie bewährt je⸗ desmal ihr ſchönes Talent für dieſen Beruf, das um ſo mehr Anerkennung verdient, da gute Lokalſängerinen zu den theatraliſchen Vhänomenen gehören. Ihr Spiel iſt gewandt, leicht, launig, von jeder Uebertreibung fern, ihr Ge ſang zeigt gute muſikaliſche Grundbil⸗ dung, und ſo vereint ſich Alles zu einer liebenswürdigen Bühnenerſcheinung. Das im zweiten Akte eingelegte Quodlibet ausHymen's Zauberſpruch fand ſo wohl durch ſeinen ſinnigen Inhalt, wie auch durch den entſprechenden Vortrag, in welchem Olle. Revie den reichen Born ihrer nekiſchen Munterkeit bekundete, eine ſehr beifällige Aufnahme der Schluß mußte wiederholt werden. Der gemüthliche Schuſter fand in Hrn. Nitſch einen trefflichen Repräſentanten, eben ſo verlieh Hr. Seydl dem Marquis eine wahrhaft charakteriſtiſche Färbung. Görgl's Muſik bietet angenehme Melo⸗ dien. Der Beſuch war ſehr zahlreich.

Semper idem.

Muſtk.

Raa b. Der berühmte Violinvir⸗ tuoſe H. W. Ernſt gab am 21. d. M. ein Konzert im Redoutenſaale bei gro⸗ ßer Theilnahme u. uner hörtem Beifall. Er ſpielte die Othello-Variationen, die Pirata-caprices u. denKarneval, welch lezterer den Enthuſtasmus bis zum höchſten Grade ſteigerte. So haben hier weder Ole Bull noch Liszt Senſa⸗

tion erregt. In den Intervallen ließ ſich