Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
392
 
Einzelbild herunterladen

392

vortragen wird. Wohl dürfte kein Kunſtfreund dieſe Gelegenheit verſäumen, um noch ein Mal einen Kunſtgenlus zu bewundern, der ſobald nicht mehr in gleicher Größe auf unſerm Ho rizonte erſcheinen dürfte.(Morgen gibt der Virtuoſe ein Abſchieds-Konzert im ungar. Theater und reiſt dann nach Raab.)

Benefiz.(Ofen.) unſere ſo allgemein beliebte, talentreiche u. liebenswürdige Sän gerin und Lotalkomikerin Dem. Revle hat Sonnabend den 20t d. M. in der Arena ihre Einnahme. Es wird gegeben zum erſten Male: Tandlerin, Marquis und S ch u⸗ er, oder der beſtrafte Ehrgeiz, neue Poſſe mit Geſang in 2 Akt. v. F. Blum, Verfaſſer des Gallego de., Muſit vom Ka pellmeiſter W. L. Görgl(mit dem beliebten Quodlibet der Dem. Revi ausHymens Zauberſpruch.) Dieſe ſehr unterhaltende Poſſe und die große Beliebtheit der ſchäzbaren Be neſiziantin laſſen eine große Anziehungskraft vorausſagen.

Benefiz.(peſther ungar. Theater.) Freitag, den 19. d., wird zum Vortheil des geſchäzten Schauſpielers Herrn Bartha, zum erſten Male gegeben:

Egy ſazekasnak pokolba vändorläsa, poſſe mit Geſang in drei Atten von Stephan Balogh, Muſit von mehreren Meiſtern.

Die neue bürgerliche Schleß⸗ ſträtt ee. Die Stadt Peſth hat neuerdings ein herrliches, in dem reinſten antiken doriſchen Style ausgefuhrtes Prachtgebäude aufzuwei⸗ ſen: die berelts vollendete burgerliche Schleß ſtatte, am Eingange des Stadtwäldchens. Das in der Fronte der Hauptallee befindliche, mit drei Eingängen verſehene Portale, hat die Form einer Triumphpforte, auf deren oberen Stufenreihe das ſtädtiſche Wappen thronct. In der Attika wird man folgende Inſchrift leſen:

Regnante Ferd. I. Imp. Austr. Boh. Hung. Rege Hoc nomine v. Patre Patriao Cives Pestinenses extruxero MDCC CXC. Auf der Innſeite, welche dieſelbe Fagade hat, iſt die Aufſchrift angebracht: Z 2 6 r a ge. (Habe dein Stel ſtets vor Augen.)

Tritt man durch das zierliche, dieſes Portale umgebende Gitter, ſo gelangt man durch ct nen Vorhof in den eigentlichen Schuzenhoß, dem gegenuber ein auf vier koloſſalen cana lirten doriſchen Säulen ruhenden Porticus ſteht. An beiden Selten ziehet ſich eine Ko lonade von 10 doriſchen Säulen bis zur Fron⸗ te, ſo daß das Ganze 34 Säulen in ſich faßt, welche einen höchſt effekreichen Anblik gewäb ren. Drei Stufenreihen führen zu den Kolo naden und in den Korridor, aus welchem man in den eben ſo ſchön als geſchmatvoll verzierten Saal tritt. Vier Säulen joniſcher Ordnung tragen zu beiden Seiten ſeinen Ax chitrab. Rechts und links zeigen Glasthüren eine Reihe von Nebenzimmern. Dieſen ſchö nen Saal werden die Bildniſſe Se. Maje ſtät des Kaiſers Franz, S. Majeſt. des Kai ſers Ferdinands u. des durchlauchtigſten Erz. herzogs Reichs-Palatins noch mebr verherr lichen. Von hier aus gelangt man zu dem zweiten Portikus, der ſeine Fronte gegen den Schießplaz wendet, und deſſen Korridor von einem Gitter eingeſchloſſen iſt, und ſomit eine Terraſſe bildet. Von hier überſieht man den engliſchen Garten, erblitt das Zicterhaus, die Kugel-Fangmauer, die beiden Einfaſſungs Mauern, die vier Hauptſcheiben und die zur volltommenen Sicherheit aufgeſtellten Dlopters Selten nur bietet ſich eine Gelegenheit dac, dem Bauführenden eine ſolche Aufgabe zu lo ſen; wie dieſe geloſt iſt, wird der Sachver- ſtändige beurtheilen; ſo viel iſt gewiß, daß die ſes herrliche Gebäude zu den vorzuglichſten Zierden unſerer Stadt zu rechnen iſt und ſo⸗ wohl von dem Geſchmate, als von dem Kuuſt⸗ ſinn der Peſther Bürger und ihrer Bauführer das ſchönſte Zeugniß liefert.

Empfehlung. unter den polit. Zeitſchrif ten hebt ſich läglich mehr u. mehr die d cut. ſche Agramer Zeitung, welche eben den Beginn des 2. Semeſters ihres 15. Jahrgan⸗ ges ankundigt, heraus, ihre ſorgfaltige Wahl, die Gediegenheit und Originalität ihrer Arlt tel, beſonders jenera us S. emlün und von der türtiqchen Grenze, neh⸗ men das allgemeine Intereſſe in Anſpruch, und werden von den vorzüͤglichſten Blatteen des In und Auslandes benuzt. Das beigegebene UnterhaltungsblattLuna, liefert gewahl⸗ te Aufſäze, theils Original, theils Ueber ſe zung von ruhmlich betannten Autoren.

Beilage:Der Schmetterling. Nr. 14.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſe n.