Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
388
 
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blikt hatte. Mit klopfendem Herzen war er vor dem Gebaͤude angelangt, mit bebender Hand hatte er das verroſtete Gitterthor geöffnet, baſtig trat er in den verwilderten Park ein und fand ihr Grab.

Unter einem niedern Hügel, mit grünem Raſen bedekt, ſchlummerte die unglükliche Eſtella. Tiefen Gram im Herzen kehrte Julius zu ſeinem Regi mente zurük.

Joſephine und der Taſchenſpieler Marec.

(Beſchluß.)

Am folgenden Morgen um 6 Uhr frühſtükte Bonaparte ſtehend im Spei ſeſaale zu Malmaiſon; im Hofe des Schloſſes wurde der Wagen angeſpannt, in welchem er nach Paris zurük fahren wollte, als Joſephine eintrat.Was haſt du geſtern gemacht, Joſephine? fragte Bonaparte;wer hat dich beſucht? Ich habe mich ſehr gut unterhalten; wenn du heute mit mir zuſammen ſpeiſen willſt, ſo habe ich dir eine Ueberraſchung aufgeſpart, die dir viel Vergnügen ma chen wird. Dabei fällt mir etwas ein; laß doch dieſen Namen von der Emigran ten⸗Liſte ſtreichen.Ein Chouan! rief Napoleon aus, nachdem er die Bitt ſchrift geleſen,einer der fanatiſchen Anhänger Charette's und Laroche-Jacque lin's;; einer von den Leuten, welche noch vor anderthalb Jahren den Armeen der Republik folgten, um die zerſprengten Soldaten morden und den Sterben den den Garaus zu machen. Maree! Marec! der aus England kömmt, der heimlich an unſeren Küſten landete, wahrſcheinlich um einen ſchandbaren Plan Pitt's zu vollſtreken. For, mein Freund, hat mir geſchrieben, ich möchte vor dieſem Elenden auf meiner Huth ſein. Und woher kennſt du ihn? Wo haſt du ihn geſehen?

Als Joſephine Napoleon ſo heftig werden ſah, fing ſie an zu weinen. O, weine doch nicht, ſagte dieſer,ſondern antworte mir. Man hat deine Güte gemißbraucht. Die Verräther haben ſich wohl eingebildet, eine Bitte, der du das Wort führſt, könne nicht abgeſchlagen werden, und dann würden ſie in Paris unter meinen Augen, ihr freventliches Spiel begonnen haben. Fouché hat ganz recht; dieſe Menſchen ſind unverbeſſerlich.Ich kenne ihn nicht, ver ſezte Joſephine;werde nur nicht ärgerlich. Zerreiße die BVittſchrift, und wir wollen nicht mehr davon ſprechen; wenn du wüßteſt, wie ſie mir zugekommen iſt.Das möchte ich eben wiſſen, ſagte Bonaparte. Joſephine erzählte ihm, wie der Bittſteller zu ihr gelangt und was ſür Wunder er unter ihren Augen vollbracht.Und ſolchen Leuten, ſagte Napoleon,öffneſt du deine Thüren? Taſchenſpielern und Gauklern, die der Frau des erſten Konſuls Sand in die Augen zu ſtreuen ſuchen, da ſie dieſen nicht haben täuſchen können. Wie kindiſch bis du doch, Joſephine! Durch Taſchenſpielereien läſſeſt du dich blenden. Mit dieſen Worten näherte er ſich dem Buffet und nahm aus einem Korbe einen Apfel.Sieh, ſagte Joſephine,in einem ſolchen Apfel habe ich die Vittſchrift gefunden. Dieſe ſind alle Tage auf meiner Tafel, und der Zufall hat allein meine Wahl geleitet. Bonaparte zukte die Schultern und zerſchnitt einen Apfel. Derſelbe barg eine Bittſchrift in ſich, nicht minder die anderen. Vona parte zeigte nun Joſephinen, auf welche geſchikte Weiſe man die Kerne aus den